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Die Guerreiro-Familie
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Sie leben ebenso in der
Algarve wie wohlhabende Residenten: die Bewohner der Sozialbezirke sind
ihre Nachbarn. Dort leben auch die Guerreiros. Vor drei Jahren starb
der Vater. Die Zukunft der drei Töchter steht in den Sternen
Drei
Kinder und die Mutter der Familie wohnen in den drei kleinen Zimmern
der Sozialwohnung im dritten Stockwerk des Hauses im Bairro Social von
Lagoa. Vater José Guerreiro starb vor drei Jahren, seither lebt Mutter
und Großmutter Otília Guerreiro-Rodrigues allein mit ihren zwei
Töchtern, der 11-jährigen Noélia und der 17-jährigen Nélia sowie der 19
Monate alten Enkelin Lúcia, Nélias Tochter.
Während Noélia noch zur
Schule geht, kümmert sich Nélia um ihre kleine Tochter. Nach sieben
Jahren hatte sie die Schule aufgegeben, in den kommenden Wochen steht
ihr die Teilnahme an Integrationsprojekten des Arbeitsamtes bevor.
Insgesamt 61.470 Escudos bekommt die Familie monatlich
vom Sozialamt, 1.180 Escudos zahlen sie Miete in dem noch neuen, aber
billig gebauten Haus. 15.000 Escudos bis 20.000 Escudos pro Monat zahlt
der Vater von Lúcia.
Alte Möbel prägen den Wohnraum. Ein
folienbeklebter Küchenschrank dient als Stauraum für Schächtelchen,
Spielzeug und andere Haushalts-Kleinigkeiten; das Brett biegt sich
unter der Last und durch die Feuchtigkeit der algarvianischen Luft. In
der Mitte des Raumes steht ein großer Tisch, halb darunter einfache
Stühle mit hölzernen Sitzflächen und metallenen Beinen. Auf einer der
Lehnen klebt noch der Aufkleber des "Dia do Dente" Mitte Oktober.
Umrahmt wird der Tisch von zwei durchgesessenen Sofas, deren
Sitzfläche abgedeckt ist. An einer der Wände hängt das vergrößerte
Foto eines Babys, ihm gegenüber die billige Reproduktion des Gemäldes
einer seitlich hockenden Frau. Unter einem halb geschlossenen Rollladen
dringt Licht herein; auf dem Balkon trocknet die Wäsche.
Dienstag, 14. November 2000:
Als Schirmherrin der "Aktion Lichtblicke" überreicht der Familie
Guerreiro ESA-Mitarbeiterin Gaby Wagner einen Scheck im Wert von
100.000 Escudos (500 Euro). Bei der Übergabe dabei ist Luís Batista,
für die Câmara Municipal de Lagoa zuständig für die Sozialbezirke. Er
hatte, wie schon im März, für die ESA eine bedürftige Familie für die
diesmal vorweihnachtliche Spende der Aktion Lichtblicke ausgesucht.
Batista, im sozialen Bereich sehr engagiert, unterstützt mit Kontakt
zum Sozial- und zum Arbeitsamt auch die Integration der Familie,
versucht, den Kindern auf den Weg in eine selbständige Zukunft zu
helfen.
Wie die 52-jährige Familienmutter Otília Guerreiro-Rodrigues das
überreichte Geld nutzen wird, wusste sie noch nicht, so überraschend
war die Lichtblicke-Spende für die stolze kleine Frau.
Den
Gewinn der ESA-Rallye, die am 26. März 2000 stattfand (ESA 5/2000
berichtete), ergänzte der Verlag Editurismo, so dass er eine gerade
Summe ergab und spendete sie der Familie Guerreiro, die im Bairro
Social von Lagoa wohnt.
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Die ärmste Familie
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Oma, Mutter und vier
Kinder leben gemeinsam auf engstem Raum. Zwei der vier Kinder waren
schon geboren, als die Familie noch in einer Fischfabrik wohnte
Vier
Kinder hat Maria de Lurdes Costa Coelho. Fünf Jahre ist die jüngste
Tochter, Carina Alexandra, alt, 19 der älteste Sohn, Christiano Jorge.
Cristiano ist mongoloid, wird wohl nie selbst Geld verdienen können.
Rund 16.000 Escudos Unterstützung erhält er wegen seiner Krankheit
monatlich vom Sozialamt. Die beiden Mittleren, der 14-jährige Gilberto
und die 16-jährige Ágata gehen zur Schule, mussten schon einige Jahre
wiederholen. Gemeinsam mit der 37-jährigen Mama und der im Januar 1923
geborenen Oma teilen sie sich eine kleine Wohnung in der ersten Etage
der Sozialbauten des Bezirkes Estômbar. Kantige Häuserblocks am
Ortsrand, gebaut Mitte der 80er Jahre. Der Flur, das Wohnzimmer, die
Küche: alles ist eng; Prunkstücke sind die alte Schrankwand im
Wohnzimmer und ein buntes Gemisch aus Sesseln. Kinder in diesem Bezirk
spielen auf den Balkonen oder auf den betonierten Höfen. Die Älteren
arbeiten auf dem Bau, nicht immer offiziell, die Jüngeren gehen
meistens zur Schule. Familien, in denen noch einer Arbeit hat, in
denen es noch einen Vater gibt, gehören schon zu den "besser
gestellten".
Der Vater der Familie Costa Coelho ist vor etwa
einem Jahr ums Leben gekommen. Nicht gern sprechen Maria und die Kinder
davon; es heißt, er sei von einem Baugerüst gestürzt. Eine Waisenrente
gibt es für diese Familie nicht. Mit der Pension der Oma verfügen die
Sechs über monatlich etwa 50.000 Escudos (250 Euro).
Seit 14 Jahren lebt die Familie in der Sozialwohnung.
Vorher teilten sie sich einen Verschlag in einer alten Fischfabrik bei
Ferragudo. Dem Sozialamt der Câmara Municipal von Lagoa zufolge, für
den Bezirk ebenfalls zuständig, sind die Lurdes Costa Coelhos die
ärmste Familie des Landkreises Lagoa.
Mittwoch, 15. März
2000: Als Schirmherrin der "Aktion Lichtblicke" überreicht der Familie
Costa Coelho ESA-Mitarbeiterin Gaby Wagner einen Scheck über 100.000
Escudos. Diesen Betrag hatte Michael Sottmann gespendet, dessen
Spezial-Gerüstbau-Unternehmen die komplizierten Einrüst- und
Absicherungs-Maßnahmen bei der Erweiterung der alten Lissabonner
Brücke übernahm. Mit dabei war der Präsident der Câmara Municipal von
Lagoa, Joaquim Piscarreta sowie der Chef der "Habitação Social", Luís
Batista. Batista hatte schnell und unbürokratisch der "Aktion
Lichtblicke" bei der Recherche geholfen. "Eine gute Initiative. Es wäre
schön, wenn mehr Unternehmen arme Familien unterstützen würden", meinte
Piscarreta bei der Scheckübergabe.
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