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Satire 2/10

Der-immer-vom-Pferd-fällt
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Ein Gerücht geistert durch die Lande. Das Gerücht, dass heutzutage viele Menschen nicht mehr recht wissen, woher Freund Bar­thel den Most holt.
Vor allem Jugendliche sollen von intellektueller Unbeflecktheit befleckt sein. Einige glauben angeblich, die Frikadelle wird auf der Frikadellenfarm zwischen zwei Bröt­chen­hälften ausgebrütet. Andere sollen behaupten, das Bier sei der Saft der finnischen Bierke.
Und? Trifft das Gerücht den Nagel auf den Kopf? Nein. Natürlich nicht! Die meisten jungen Leute wissen – Achtung: Lob! – auf dem glitschigen Parkett der Allgemein-
bildung sogar besser Bescheid als der gestreifte Dachs über den gleichnamigen Aktienindex. Bei einem Test-Quiz habe ich gefragt: „Woher kommen Rosinen, Sultaninen und Korinthen?“ Sofort meldete sich Kevin: „Babyleichte Frage, ey. Die scheißt der Korinthenkacker. Deshalb heißt der so. Frag mal was Schwereres.“ „Na gut. Wo­her kommt das Benzin?“ „Das ist ja noch leich­ter. Von Shell. Wird aus Muscheln ge­kocht. Shell heißt nämlich ‘Muschel’. Das ist Englisch. Und...!!! Wer hat’s erfunden?
Carl Benz. Darum heißt das BENZin. Da staunste, was?“
Da habe ich wirklich gestaunt.
Was man so alles vom Namen ableiten kann... Dann wird wahrscheinlich auch diese komische, nussähnliche Frucht, die Piss-tatie, vom griechischen Esel gepinkelt? Und der Affe kommt aus Affghanistan und Dieter Bohlen aus Bohlivien?  Schlimm ist nur, dass diese Länder in allen Schulatlan­ten falsch geschrieben werden. Traurig. Genau wie folgender Begriff im Duden: Emanzipation. Gemeint ist damit die weibliche Befreiung vom Manne. Das Recht der Frauen, so blöd zu sein wie die Männer seit Jahrhunderten. Also müsste es folgerichtig „Emannzipation“ heißen, mit zwei „n“.
Bewundernswert ist dagegen der Indianer. Rein namenstechnisch. Einfach. Klar. Deutlich. „Gestatten, mein Name ist Der-immer-vom-Pferd-fällt“. „Angenehm. Hier ein klei­nes Geschenk. Heißt Fury, ha, ha, ha.“ So ist gleich alles klar und so spaßig, dass der Wigwam wackelt. Wir Deutschen sind da­ge­gen kürzer und verschleiern, was der Schleier hält. Indianisch hieße Deutschlands kleinstes Land „Land-wo-Sonne-stiften-geht“. Bei uns militärisch knapp und nebulös „Hell-go-Land“. Damit ja keiner auf den Gedanken kommt, dass es da nachts konsumfeindlich dunkel sein könnte. Oder menschliche Namen: „Der-am-hell­lich­ten-Tag-tapfer-Sauerkraut-in-sich-hin­ein­stopft“, würde der Indianer sagen, und jeder wüsste, wo der Mops den Knochen holt. Bei uns dagegen sagt man verbrämt „Hell-Mut-Kohl“ und hofft, dass keiner eine Verbindung vom Namen zur Körperfülle herstellt.
Auf der anderen Seite hören sich kurze Namen zugegebenermaßen besser an. „Hannover 96“ klingt trotz drei Eigentoren in einem Spiel bisschen schöner als „Die Elfmann-Schweinebucht“.

0210sabild2.jpgNoch schöner ist es, wenn man Namen gar nicht schreiben muss, sondern sie anhand von hübschen Bildern darstellt. So wie in unserem kleinen Rätsel. Frage: Was bedeu­ten die beiden Bilder? Tipp: Es sind zwei italienische Meister.
Apropos Italiener: Wissen Sie übrigens, dass ein anderer italienischer Meister der häufigste Kunde bei portugiesischen Mittelstandsbetrieben ist? Doch! Sein Name ist Paganini. Übersetzt ins Indianische: Mann-der-niemals-nie-nicht-zahlt.
Sie sehen also: Wenn man nicht ganz auf die eigene Rübe gefallen ist, kann man kin­derleicht vom Namen auf den Inhalt schlie­ßen. Sogar in der Weltökonomie. So kann uns bereits der Name einer Währung des Pudels Kern flüstern. Wer stöhnt ständig, dass seine Kröten nichts wert sind? Der Engländer. Und wie hat er dummerweise sein Geld genannt? Pfund! Na!? Klingelts bei Ihnen? Noch nicht einmal Kilo! Was will man von so einer Währung erwarten? 
Dazu allerdings ein Tipp: man sollte ökono­mi­sche Begriffe trotzdem nicht sofort unge­prüft nach ihrem Wortlaut beurteilen. Wäh­rend der Finanzkrise wurde in den Nach­richten vor einer „einbrechenden Wirtschaftsleistung“ gewarnt. Und was passierte? Überall das Gleiche. Überlastung der Notrufzentralen:
„Hier Polizeinotruf. Wer ist in Not?“
„Ich. Kommen Sie schnell, hier will jemand einbrechen.“
„Wer denn?“
„Die Wirtschaftsleistung!“
Übrigens: Auch bei einbrechender Dunkelheit muss nicht unbedingt das Überfallkommando zu Hilfe gerufen werden.
Aber das am Rande.
Eigenartig ist es jedenfalls, dass nicht schon in allen Wirtschaftsbereichen mit ehrlichen Begriffen gearbeitet wird. In Hamburg ist das anders. Da gibt es die „Fischbrat­küche“.
Was wird da wohl gemacht? „Fisch gebra­ten“, meinen Sie? Bingo! Warum sollte so­was nicht auch global funktionieren? Mal ein Vorschlag von mir: Da gibt es die
schönen Gourmet-Tempel mit der Vorsilbe „Mc“ und dem Nachnamen des Bewoh-ners von Entenhausen. Und vielleicht gibt es in deren polnischen Zweigstelle sogar Ente. Wäre aber doch schöner, wenn die Mc’s in anderen Ländern nach den lokalen Spezialitäten benannt würden. In Frankreich McFrosch. In Kenia McHeuschrecke. Und in China McDog.

Klaus-Dieter S.
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