|
Editorial 3/10
|
|
|
|
|
Luís Saraiva zog es auf den Mars. Da das real nicht möglich ist, wird es simuliert; eine erfolgreiche Zukunft will vorbereitet sein. Saraiva, 29, ist Biologe am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle, USA, und soll bei dem Mars-Trip in der Wüste von Utah mit fünf Forscher-Kollegen die Wasser-Aufbereitung und das Verhalten von Mikroorganismen unter extremen Bedingungen testen. Portugal beteiligt sich jährlich mit € 10 Mio. an der Europäischen Weltraumorganisation ESA, Interesse an der Teilnahme zu wissenschaftlichen Experimenten und Entwicklungen scheint nicht zu bestehen, so Saraiva. Es könnte ja mal ein Portugiese als Astronaut ausgebildet werden.
An der Nachricht jedenfalls bestand Interesse, das Wissenschaftsministerium verbreitete und kommentierte sie wohlwollend, hat sie doch zwei Vorteile: Positive Darstellung heimischer Wissenschaft und konstruktive Kritik. Denn mit Kritik tut sich Portugals Regierung immer schwerer.
Von eklatanten Eingriffen in die Pressefreiheit ist die Rede, kritische Medien und Journalisten sollen mundtot gemacht werden. Das Parlament untersucht. Hintergund sind Abhörprotokolle aus einem Korruptionsfall, in den Regierungschef José Sócrates verwickelt sein soll. Die Regierung bezeichnet deren Veröffentlichung als kriminell, die Presse als legitimes Element der Demokratie. Im Jahr eins nach dem Wahlsieg unter Verlust der absoluten Mehrheit kommt Sócrates’ Mannschaft in Bedrängnis. Für den 4. März hat der öffentliche Dienst einen Generalstreik angekündigt. Ist die Krise zu stark, bist du zu schwach.
Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva beschwört derweil das 100. Jubiläum der Republik und hofft, das „Gedenken weckt denselben Geist, der einst die
Revolutionäre antrieb, den Geist der Unangepasstheit und der Hoffnung“. Bis August 2011 wird Revolutionsgeburtstag gefeiert und bis dahin, so orakelt die Redaktion, wird sich vieles ändern in Portugal.
Wer sich wie, wo und wann im März daran beteiligt, steht auf den folgenden Seiten.

|
|
|