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Berichte
03/10
Staatsfinanzen
Die Vertrauensfrage

0310befinanz.jpgIn Portugal herrscht Verblüffung über den Alarm wegen angeblich drohender Staatspleite. Die Zahlen, auf die sich die EU jetzt stützt, stimmen zwar, sind aber unvollständig und nicht mehr frisch und zeichnen ein verzerrtes Bild des Landes

(...) Die Rating-Agentur Moody’s Investors Ser­­vice meldete schon Ende 2009, wegen des wach­­senden Defizits sei Portugals Kreditwürdigkeit gefährdet (s. ESA 1/10). Die Nachricht wurde als das wahrgenommen, was sie ist: Das Urteil des privaten, gewinnorientierten Unter­nehmens Moody’s, das wie andere Agenturen in der Vergangenheit krasse Fehleinschätzungen lieferte. Finanzexperten meinen, durch optimistische Bewertung risikobehafteter Finanzprodukte seien die Rating-Agenturen mitverantwortlich für die 2008 ausgebrochene Finanzkrise. Deshalb „werden die jetzt vom Paulus zum Saulus und mäkeln“, so ein Sprecher des Finanzministeriums. Er zitiert, worin er eine Ursache für den Wirbel um das portu­giesische Defizit sieht: „Turbulenzen um den Euro können die Erholung der US-Wirtschaft beeinträchtigen“, sorgt sich die Chicago Tribune. Die USA brauchen Europa als liquiden Absatzmarkt für Exporte.
Vermögensberater deutscher und portugiesischer Banken raten zu Gelassenheit. Je mehr Debatten über eine Schieflage geführt werden, desto größer wird die Skepsis der Anleger. Die Pleite würde zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Um das zu verhindern, sollen positive Nachrichten nicht ungehört bleiben: Das zuerst in die Schlag­zeilen geratene Griechenland hat gerade eine fünf­jährige Staatsanleihe veräußert, bei der die Nachfrage vier Mal höher war als das Angebot. Und Por­tugal vekaufte Mitte Februar Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit. Viele Kreditinstitute waren interessiert, die Banco Espírito Santo, Barclays Capital, Crédit Agricole, Goldman Sachs und Société Générale erhielten den Zuschlag. „Offenbar haben die Anleger noch Vertrauen in die Stabilität der Länder und in den Euro“, sagt Paulo Macedo, einer der Direktoren der Millennium-Bank.
Angesichts solcher Daten kritisiert Portugals Regierung die internationale Presse. Als in den ers­ten Februartagen der Börsenindex PSI-20 absack­te, „stand das in allen Gazetten. Als in der Folgewoche die Lissabonner Börse mehrfach eini­ge der höchsten Zuwachsraten in Europa verzeichnete, schwiegen die Kollegen“, so ein Kommenta­tor des Jornal de Negócios. Portugal sei eben „ein kleines Land, das einen guten Sündenbock abgibt“ –  es liefert laut Weltbank gerade mal 1,3 Pro­zent des EU-Bruttoinlandsproduktes (Stand: 2008).
Wer die Bulletins der EU-Kommission bis zu En­de liest, findet Zahlen zu anderen Ländern: Die Eurozone insgesamt wird 2010 Kredite im Umfang von € 2,2 Billionen aufnehmen. Belgien fehlen € 89 Mrd. für den Haushalt 2010, Italien € 393 Mrd. und Frankreich € 454 Mrd. Daneben steht selbst Griechenland gut da: 2010 werden Kredite im Umfang von € 53 Mrd. benötigt. Portugals Defizit liegt bei € 13,14 Mrd. (...)

Das Dilemma
Die rechtliche Basis der Euro-Währung ist der Vertrag von Maastricht. Er setzte 1992 die Defizitquote unter 3 % und den Schuldenstand unter 60 % des Brutto-Inlandsproduktes fest. Auch dieser Wert aller in einem Land
hergestellten Waren werde bis 2011 von allen Staaten weit überschritten, so die EU-Kommission. Bei Verstoß gegen die Kriterien drohen hohe Geldstrafen, was die Talfahrt beschleunigt.
Die Europäische Zentralbank darf keine Staatsanleihen zur Stützung von Ländern kaufen, die die Kriterien nicht erfüllen. Regierungen, die die Ausgaben nicht aus der Staatskasse decken können, müssen Kredite auf dem Kapitalmarkt aufnehmen. Je tiefer ein Land verschuldet ist, desto höher der Risikoaufschlag, den Käufer von Staatsanleihen verlangen. Der Staat wird, wie jeder private oder Unternehmens-Kreditnehmer, abhängig von den Banken und bedrängt von der Zinslast.


von: Henrietta Bilawer

Foto: EU-Mediathek

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Ausflug
 
Auf Schienen die Küste entlang

0310bezug1.jpgSeit einen Jahrhundert rollen Züge auf der Linha do Algar­ve. Das nahm die ESA zum Anlass um eine Zugfahrt von West nach Ost zu unternehmen – eine interessante Alternative, um den Landstrich entspannt aus einer besonderen Perspektive zu entdecken

Wer in der Algarve mit der Bahn rei­sen will, sollte Zeit mitbringen. Die alten Züge fahren so gemächlich die Algarveküste entlang, dass es einem vorkommt, als liefe die Uhr rückwärts. Die Linha do Algarve verläuft in West-Ost-Rich­tung parallel zur Küste von Lagos nach Vila Real de Santo António, kurz vor der Grenze zu Spanien. Sie führt teilweise direkt am Strand entlang, über leicht hüge­liges Bergland oder durch das Lagunen­gebiet des Naturparks Ria Formosa. Mit ein wenig Planung kann die Tour mit der Eisenbahn zu einem schönen Tagesausflug werden.
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Die reine Fahrtzeit von Lagos nach Vila Real de Santo António beträgt drei bis dreieinhalb Stunden. In der Regel muss in Faro umgestiegen werden, daher kann auch die Gelegenheit wahrgenommen werden, die Algarve-Hauptstadt kennen zu lernen. Zwei Stunden Aufenthalt rei­­­chen, um die schöne Altstadt, die Ci­da­de Velha, zu besichtigen, ein wenig durch die belebte Fußgängerzone zu schlendern und in ei­nem der Cafés um die Marina eine Erfri­sch­ung zu sich zu nehmen. Auch andere Städte entlang der Strecke lohnen sich für einen Besuch. Vor Beginn der Zug­reise sollte aber ein ge­nauer Blick auf die Karte mit der eingezeichneten Reiseroute geworfen werden, denn leider haben nur Lagos, Porti­mão, Tunes, Faro, Tavira und Vila Real de Santo António Bahnhöfe, die in der Stadt liegen und zu Fuß erreichbar sind. Andere Stationen sind oft bis zu fünf Kilometer vom Zentrum entfernt. Wer sich für die Variante mit Zwischenstopp entscheidet, sollte für die­sen Ausflug einen Tag einplanen. (...)

Text & Fotos: Erika Mastel

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Lissabon
Mobile Kunst
0310belissabon.jpgKunst oder Marketing? Das eine schließt das andere nicht aus. Deshalb verkehren die Lissabonner Standseilbahnen einige Monate lang als städtisches Verkehrsmittel mit künstlerischem Auftrag, Anstrich und Ambiente

(...) Nun haben die Verkehrsbetriebe Carris beschlossen, die beliebten Vehikel zu echten rollenden Künstlergalerien zu machen. Bis zum 30. Juni wird je eines der Fahrzeuge, die allesamt als Nationale Monumente eingestuft sind, einem Künstler zur Verfügung gestellt.
Solche Projekte „eröffnen neue Perspektiven auf die Wege durch die Stadt und verbinden Geschichte mit Alltag und Gegenwart“, sagt der Planer der Aktion, Lourenço Lucena. Seine Firma Blug für experimentelles Marketing berieselt Lis-sabons Verkehrsmittel mit Raumdüften, die Wohl­befinden durch die Nase erzeugen sollen. Nun ist das Auge als Sinnesorgan angesprochen: Unter dem Motto „Arte em Movimento“ (Kunst in Bewegung) greift Carris eine Aktion aus den 1980er Jahren auf, als drei Künstler Lissabonner Autobusse gestalteten: Eduardo Nery, Carlos Calvet und José de Guimarães besitzen inzwischen internationales Renommée. Jetzt ist der Nachwuchs dran. (...)

Text: Henrietta Bilawer

 
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Gesundheit
Krebs: Vorsorge und Therapie
0310bekrebs.jpgDer gemeinnützige Onkologie-Verein der Algarve bietet in der Region die Krebs-Vorsorgeunter-suchungen und Behandlungstherapien an, die eigentlich der Staat sichern sollte. Bei einem Gespräch mit dem Gründer und Vorsitzenden des Vereins, Dr. med. Santos Pereira, erfuhr ESA-Redakteurin Anabela Gaspar mehr über die Aktivitäten des Vereins und dessen Pläne für die Zukunft

(...) Derzeit bietet die Associação Oncológica do Algarve (AOA) Krebskranken und deren Familien psychologische Unterstützung, bei Bedarf auch psychiatrische; Lach-Therapie; Haar- und Brust-Prothesen, sowie spezielle BHs an. Zudem ermöglichen Vereinbarungen mit Yoga- und Spa-Zentren, Schwimmbädern und anderen Einrichtungen, dass die Mitglieder des Vereins und Krebskranke dort Rabatte be­kommen. Ziel ist es, die Lebensqualität der Krebs-kranken zu steigern. Die AOA organisiert weiters  Informations- und Sensibilisierungsaktionen in Schulen und anderen Einrichtungen.

Sehr stolz ist die AOA auf die mobile Mammographie- und die Strahlentherapie-Einrichtung. (...)
Text & Foto: Anabela Gaspar
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Säuberungsaktion
An die Arbeit!

0310beumwelt1.jpgPortugal an einem Tag vom Müll befreien? Unmöglich? Die Initiatoren und Teilnehmer der Aktion „Limpar Portugal“ sind anderer Meinung und wollen es am 20. März beweisen und gleichzeitig das Umweltbewusstsein der einheimischen Bevölkerung wecken

Die Initiative „Limpar Portugal“ wurde von einer Gruppe von Freunden ins Leben gerufen, nachdem sie von einer ähnlichen Aktion in Estland im Jahr 2008 erfahren haben. Ziel ist, durch eine landesweite Säuberungsaktion den Müll, der in der Natur verstreut ist, einzusammeln. Ein Umweltbewusstsein zu wecken, auf Verschwendung, die Not­wen­digkeit einer kor­rek­ten Mülltrennung und -entsorgung, sowie ei­nem nachhaltigen Wachstum aufmerksam zu machen sind weitere Vorhaben. Über 30.000 Aktivisten sind bereits angemeldet, davon einige Gruppen wie Pfadfinder. Die Anzahl derjenigen, die bereit sind, die Ärmel hoch zu krempeln und sich an die Arbeit zu machen, ist also noch höher. (...)

0310beumwelt2.jpgAllgemeine Information zur Aktion unter:
www.limparportugal.org

Die Anmeldung muss online unter http://limparportugal.ning.com/ erfolgen.

Ein Video über das Projekt und umweltbezogene Themen ist unter:
www.livestream.com/limparportugal abrufbar

Info zur Gruppe von Lagos: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Text & Foto: Anabela Gaspar

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