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Im letzten Winter meinte mein Freund Gottfried: „Solltest mal Winterurlaub machen. In Garmisch!“ Ich: „Was kann man da machen?“ Er: „Ski fliegen.“ Ich: „Dann nehme ich Lisa mit. Dann können wir zusammen schief liegen.“
Soweit dieser Vorfall. Eigentlich belanglos. Wenn er uns nicht zeigen würde, dass der Weg zum Globetrottel bereits bei der Reiseplanung anfängt. Stichwort: Ignoranz gegenüber dem Reiseziel.
„Ist das alles?“, werden Sie jetzt fragen. Und: „Wie wird man eigentlich ein guter Globetrottel?“ Ja..., das ist nicht einfach. Viele wären es gerne, aber wenige sind auserwählt. Weil es dazu vieler Fähigkeiten und Lektionen bedarf.
Hier die wichtigsten:
Lektion I: Als erfolgreicher Globetrottel machen wir uns im Ausland beliebt. Indem wir LAUT sind. Und wir gehen DICHT an den Eingeborenen heran, weil der uns sonst in seinem natürlichen Phlegma übersieht: Italien. Rimini. Wir flitzen zum erstbesten Eisstand und rufen: „Ein Eis, allez hopp!“ Weil wir ja auch französisch können. Verkäufer: „Mite wase?“ Wir: „Mit kalt!“, und LAUTER. „...MIT CALDO!“ Gut, nun heißt „caldo“ auf Italienisch „warm“, aber der Eisverkäufer soll sich nicht mopsen und gefälligst unsere Fremdsprachenkenntnisse loben. Falls er schmutzig grinst, müssen wir ihm gehörig Ravioli bieten. Sollte das Eis genießbar sein, bedanken. Italienisch: „Vielen Grazie!“
Lektion II: Südländer sind immer glücklich über Nachhilfeunterricht von Urlaubern. Beispiel Algarvestrand. Wenn dort ein Fischer Sardinen grillt ..., nix wie hin ..., dicht ran ..., filmen und brüllen, wie der Hase hoppelt.
Der Griller wird sein Glück über die Information kaum fassen und strahlen wie ein Glühwürmchen nach der Begattung.
Oder in Japan: Soweit das Japanerauge reicht, trägt man dort Kimonos. Der Fremdenführer: „Hier sehen Sie eine Nationaltracht, den Kimono.“ Wir: „Bei UNS is das flauschiger und heißt Bademantel!“
Lektion III: Während wir Nordeuropäer schon wussten, wie man Trinkgefäße aus Schädeln von erlegten Feinden machte, hat der Nordafrikaner noch blöde an sinnlosen Pyramiden gebaut, Krakel in Steine geklopft, die man nicht ohne Grund Hieroglyphen nennt und Papyrus gebastelt, obwohl es kaum Fische gab, die man darin einwickeln konnte. Deshalb ist jeder Einheimische im Süden für kulturelle Tipps von uns dankbar. Vor allem für Tipps zu gesunder Ernährung.
Dabei kann lukullisches Kulturgut auch optisch weitergegeben werden. Indem wir zeigen, wie man gepflegt Sangria aus Eimern säuft.
Lektion IV: Im Ausland haben es die Domestiken gerne, wenn sie von Urlaubern gelobt werden. Wir werden uns keinen Zacken aus der Krone brechen, wenn wir im türkischen Antalya dem Portier mit unserer wurstfingerigen Pranke kräftig auf die Schulter schlagen: „Türken sein gut Leut. Meine Putzfrau auch türkisch. Aber sauber.“ Apropos Türkei: Dort wird in All-Inclusive-Hotels gerne ein Büfett „all you can eat“ angeboten. Wenn wir was übriglassen, heißt es gleich, uns schmeckts nicht. Also alles in uns reinwürgen und aus „all you can eat“ ein gepflegtes „all you can kotz“ machen.
Lektion V: IMMER auf das elitäre „Sie“ verzichten. Besonders in England, wo man seit Jahrhunderten unter adeligen Snobs leidet. Wenn der Butler serviert, wie immer mit einem „excuse me“, also „entschuldigen Sie“, dann höflich antworten: „Ja, Kumpel, bei dem Insel-Fraß würd ich mich auch entschuldigen, wenn ich ihn servieren müsste." Beim unpersönlichen "Sie" würde er denken, wir seien ein mit Badehose verkleideter englischer Lord.
Lektion VI: Der Mensch kann schon mal was verlieren. Einen Schlüssel, ein Fußballspiel, die Contenance. Der Chinese verliert immerzu sein Gesicht. Deshalb: Wenn wir in Shanghai sind und irgendwo etwas Gelbes rumliegen sehen: gleich zum Fundbüro (chinesisch „Wida-Da-Dat-Ding“) bringen und laut fragen: „Wer von euch Gelbnasen hat hier wieder sein Gesicht verloren?“
Lektion VII: Der Südländer ist bekanntlich kaum einen Kopf größer als ein Buntspecht, aber gesellig. Leider zwingt man ihn dazu, während der Mittagszeit nicht zu arbeiten. Darunter leidet er wie ein Hund, weil es seinem natürlichen Kontaktbedürfnis widerspricht. Von diesem Leiden können wir ihn befreien. Immer zwischen 13 und 15 Uhr, wenn ihm die Siesta aufgedrückt wird, Gesellschaft leisten. Vorher nicht viel fragen. Einfach an die Tür klopfen. Gerne auch mit dem Fuß.
Lektion VIII: Nun kommt der Höhepunkt der Globetrottelei. Für Fortgeschrittene. Gesundheitstourismus. Gottfried ist bereits in diesem Zustand der Gnade gewesen. Er meinte damals: „Bin so schlapp.“ Also fuhr er zur Diagnose nach Osteuropa. Kostete fast nix. Er musste nur, wie hundert andere auch, kurz mit der Zunge am Computer schlecken. Schon spuckte der Apparat die Diagnose aus: FFS.
Forrübbergehendes Ferrschöpfungs-Syndrom. Vielleicht. Bitte Moment warten. Ganz sicher wird es der Pathologe nach der Obduktion wissen.
Klaus-Dieter S.
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