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Editorial 7/10
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Der US-Germanist Theodore Ziolkowski setzte sich in vielen Büchern mit Städten, Wegen und den Menschen dort auseinander und fragte sich schließlich, ob es heute überhaupt noch möglich sei, Orten unvermittelt zu begegnen. Wohin man auch komme, es sei schon jemand da gewesen:
Journalisten, die Mitarbeiter des Magazins der Fluggesellschaft, der Maler, der die Landschaft in Aquarell verewigte oder der fotografierende Nachbar. Erreicht der Reisende sein Ziel, sieht er oft bereits Bekanntes. Ist aber der Reisende für die Einheimischen auch nur ein immer wiederkehrender Typus?
Portugals Reise-Forscher lieben die Prüfung dieser These. Die mittlerweile eingestellte Algarve-Zeitschrift „Sulstício“ verstand das Bild vom „typischen
Touristen“ als Werbepostkarte der Region. Der aus signifikanten Merkmalen geklonte statistische Algarve-Reisende ist Städter, Anfang bis Mitte Vierzig, verheiratet, hat zwei Kinder und einen Status im oberen sozialen Mittelfeld. Er kommt öfter hierher, bleibt etwa zwei Wochen und sitzt gerne im Strandcafé wegen des unproblematischen Wechsels zwischen der „caneca“ (einer kleinen Mass Bier) und einem Sprung in den Atlantik. Er isst gerne Fisch oder Krabben, für die Kinder gibt es Fleisch. Er lobt die Qualität des heimischen Weins, bleibt aber auch mitgebrachten Trink-Gewohnheiten (Gerstensaft!) treu. Nur eines trübt den Genuss: Die Sonne röstet ihn trotz Schutzcreme-Faktor 50 und er beginnt zu begreifen, warum mittags kaum ein Portugiese am Strand ist. Übrigens hat kaum ein Hotelier Grund zur Klage über seine Gäste. Als Nervensägen und Berufsnöler bezeichnet das Personal meist die eigenen Landsleute.
Viele Algarve-Urlauber wollen nicht nur den Strand sondern auch Land und Leute entdecken, soziale, politische und wirtschaftliche Belange und die zahlreichen Sommerfeste genießen. ESA stellt von allem etwas vor, nicht nur für Sommerfrischler.

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