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Berichte
07/10
EU-Subventionen
Erasmus für Touristen
0710beerasmus.jpgDie EU hat Reisen als ein Menschenrecht erklärt und ist dabei, ein Programm ins Leben zu rufen, das Reisen innerhalb der Europäischen Union mit EU-Geldern subventioniert

Obwohl die Staatskassen der EU-Mitglieds­­staa­ten nicht gerade überquellen, hat Antonio Tajani, EU-Kommissar für Unter­neh­men und Industrie, während eines Treffens der für Tourismus verantwortlichen EU-Mi­nister ein neu­es Menschenrecht entdeckt: Rei­sen. Ein EU-Programm soll deshalb in einer ersten Stufe über 65-Jährigen Pensionisten, Jugendlichen zwischen 18 und 25 Jahren, finanziell Benach­teiligten und Behinderten einen Urlaub spen­dieren. Bis zu 30 % der Rei­se­kosten dieser Gesell­schaftsgruppen soll aus EU-Kassen subventioniert werden. Bei Behinderten und Senio­ren sollen auch die Reisekosten einer Begleitperson mit­finan­ziert werden.
Das Programm, das hunderte Millionen Euro pro Jahr kosten kann, soll europäische Touristen dazu veranlassen, nicht geballt in der Hochsaison zu verreisen, sondern mög­lichst gleichmäßig über das Jahr ver­teilt. Damit sollen Arbeitsplätze in der Tourismusbran­che auch außerhalb der Saison erhalten bleiben.
(...)

Mit diesem EU-Reiseprogramm, das bis 2013 als Pilotprojekt läuft, geben die EU-Minister das Startsignal für Initiativen im Bereich des Tourismus, der mit dem Vertrag von Lissabon als neuer Politikbereich in die Zuständigkeit der EU fällt. (...)

Text: Anabela Gaspar
Foto: Jochen Krenz

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Casa Pia
Kein Urteil von Dauer?

0710becasapia.jpgIm Prozess um den Pädophilie-Skandal im Kinderheim Casa Pia, in dem Prominente aus Politik und Showgeschäft verwickelt sind und der 2002 aufgedeckt wurde, soll Anfang dieses Monats das Urteil gesprochen werden

Alles begann mit dem Mut eines Ein­zelnen, das Schweigen zu brechen, hinter dem zwei Dekaden lang ein Skandal verborgen blieb: die systematische Zufüh­rung Minderjährige des Lissabonner Kinderheims Casa Pia an zahlungskräftige Mitglieder der obe­ren portugiesischen Ge­sell­schaftsschicht. Die Mutter eines Jungen, „Joel“ genannt, zeigt Ende September 2002 den Casa-Pia-Mitarbeiter Carlos Silvino, Spitzname Bibi, wegen sexueller Be­läs­tigung des Sohnes an. Bibi wird verhaftet. Kurz darauf berichtet die Wochen­zeitung Expresso über hunderte von Kin­dern, de­nen offenbar das gleiche Schicksal widerfuhr. So beginnt Portugals bislang größtes Gerichtsverfahren. (...)

Ob sie schuldig oder nicht schuldig gesprochen werden, wird Portugal am 9.7. erfahren. Sicher fest steht schon, dass der gerichtliche Marathon noch nicht zu Ende ist. Es liegen 130 Berufungen in übergeordneten Gerichten vor, welche zur Wie­derholung einer oder mehrerer Sitzungen führen können.
Auch sicher ist, dass unabhängig vom Urteil, Berufungen eingelegt werden. Ent­weder seitens der Angeklagten, sollten sie verurteilt werden. Oder seitens der Staats­anwaltschaft, wenn die Angeklagten nicht schuldig gesprochen werden. Bis von ei­nem endgültigen Urteil gesprochen werden kann, ohne der Möglichkeit einer Berufung, werden noch viele Jahre vergehen. Wie es vorab weitergeht erfährt Portugal am 9.7.

Text: Anabela Gaspar
Foto: LUSA

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Volksheilige
Eine Königin zum Anfassen

0710bealvor.jpgIn Portugal lebt die Legende der mittelalterlichen Königin Isabel. Die heiliggesprochene Monarchin ist Anlass für sommerliche Volksfeste. Die Algarve-Gemeinde Alvor wird dabei besonders aktiv

Ricardo Alves legt den Telefonhörer auf. Seine Stirn liegt in Sorgenfalten, denn er hat für die Erweiterung seines Gartenlokals einhundert Stühle bei einem Event-Ausrichter angefragt, doch es ist nicht sicher, ob der liefern kann, denn Alves Anfrage kommt spät, so, wie auch die Genehmigung der Stadtverwaltung für den Sonderaufbau zu lange gedauert hat. Alves hat dafür kein Verständnis, denn das anstehende Volksfest ist ein Fixpunkt im Kalender und Einheimische und Touristen sollen sich gut unterhalten.

Landauf landab sind Feste mit Tradition im Juli zahlreich (s. Kasten). Die wichtigsten finden Anfang des Monats zu Ehren der Königin D. Isabel (1271 – 1336) statt. Papst Urban sprach die Monarchin im Jahre 1625 heilig, am 4. Juli, ihrem Todestag. Isabel ist vor allem im Volksempfinden eine Rainha Santa, eine heilige Königin, für ihre Zeitgenossen wie auch für die Nachfahren bis ins 21. Jahrhundert. In wohl jedem noch so kleinen Ort des Landes ist ihr eine Straße gewidmet. Und der fadista Alfredo Marceneiro, eine Legende der portugiesischen Traditionsmusik, hat ihr den Fado „Rainha Santa“ gewidmet.
In der heimatkundlichen Wertschätzung gehört die Rainha Santa Isabel zum Repertoire eines jeden Portugiesen wie der sagenhafte Hahn von Barcelos oder die märchenhafte Deutung der Mandelblüte als „Schnee der Algarve“, den ein heimischer Prinz seiner Geliebten aus Europas Norden beschert haben soll, um ihr Heimweh zu kurieren.
Isabels Geschichte ist siebenhundert Jahre alt, doch hat sie an Aktualität nicht eingebüßt. Santa Isabel symbolisiert gesellschaftliche Werte und Charakterzüge: Güte und Nächstenliebe, eine gesunde Portion Skepsis gegenüber Befehlen der Obrigkeit und Schlitzohrigkeit im Umgang mit derselben, dazu viel Liebe. Zentrum der Feste ist von jeher die altehrwürdige Universitätsstadt Coimbra, wo die Königin auf eigenen Wunsch im Kloster Santa-Clara-a-Velha beerdigt wurde. Viele andere Orte widmen Isabel fröhliche Feste – in der Algarve vor allen Dingen Alvor.

Wo von Santa Isabel die Rede ist, gehört auch ihr Gatte König D.Dinis dazu. Mit 19 Jahren bestieg er als sechster Regent Portugals Thron und begann die Suche nach der politisch korrekten Königin. Seine Wahl fiel auf die aragonesische Infantin Isabella, um die seinerzeit gleich mehrere europäische Königssöhne warben. D. Dinis, auch als Dichter und Poet bekannt, fand wohl die passenden Worte und Isabel folgte ihm nach Portugal.
Der König erhielt vom Volk den Beinamen 'lavrador' („Bauernkönig“), er ließ den Pinienwald von Leiria anpflanzen, aus dessen Holz später die Karavellen für die Entdeckungsfahrten der portugiesischen Seefahrer gebaut wurden. Der Historiker José Matoso schreibt über jene Zeit, es habe sich „nur selten wiederholt, dass Portugal sich als wahrhaft unabhängiges Königreich auf der Iberischen Halbinsel fühlen konnte und der König eine von allen respektierte politische Autorität war”.
Doch D. Dinis hatte auch andere Seiten: Seine Hingabe galt nicht nur Isabel, was mindestens sieben Nachfahren aus anderen Verbindungen bezeugen. Auch war er als launisch bekannt und er prüfte Gerüchte nicht lange auf ihren Wahrheitsgehalt, sondern nutzte sie gleich für reale Wutausbrüche. Bei Hofe muss es damals etwa so zugegangen sein: Das tägliche Leben läuft in gewohnten Bahnen, was leicht langweilig werden kann. Fernsehen, Internet und Wii waren noch nicht erfunden und so inszenierten die Untertanen, was vor der Erfindung von „Big Brother“ und skandal-begleiteten Superstar-Castings die Schlüssellochguckerei der Völker befriedigte: Ein handfester Zoff im Königspalast.
Eines Tages flüsterte ein Vasall dem König D. Dinis vertraulich, seine Gemahlin Isabel bringe mit allerlei Sozialstaats-Duselei die Staatskasse unter die Leute: „Oh, mein Herr und Gebieter! Ich möchte ja nur helfen ... Das Geld verschwindet, wird weniger ... Es sind die Almosen, die Kirchenbauten, die Lehen, die Schenkungen, die Spenden an die Klöster, der reine Irrsinn, Herr! Sie müssen eingreifen!”, protokolliert Gentil Marques in seiner Legendensammlung Lendas de Portugal. Während Europas moderne Monarchien Presseabteilungen beschäftigen, um prestigeschädigende Nachrichten zu dementieren, verwaltete weiland D.Dinis die Skandale selbst.
Der König polterte, er wisse, was zu tun sei und gedachte, Gattin Isabel ab sofort nicht mehr ohne Kontrolle aus dem Haus zu lassen. Bei einem ihrer morgendlichen Spaziergänge in Gesellschaft einiger Hofdamen traf der König, rein zufällig natürlich, Isabel im Garten, plauderte ein wenig, um schließlich ganz nebenbei auf den Inhalt des von Isabel mitgeführten, prall gefüllten Bündels zu kommen. Es gab einen Wortwechsel, in desssen Verlauf der Herrscher immer zorniger wurde und seiner Ehefrau schließlich vorwarf, die Armen auf Kosten der Krone durchzufüttern. Isabel wies das zurück und gab schließlich den Blick frei auf das Bündel: Göttliche Fügung – das Brot hatte sich in Rosen verwandelt.
D. Isabel war von dieser Wendung selbst überrascht und fand schnell die Erklärung, sie wolle die edlen Blumen in ein Kloster bringen, um dort den Altar zu schmücken. Der König entschuldigte sich für sein Misstrauen, sie aber „blickte sanft und mit einem herzensguten Lächeln auf den Lippen zum Himmel“, so Chronist Marques über die Geburt der Rosenlegende. Auch die Anwesenden waren baff angesichts des ungeahnten Endes der matrimonialen Fehde: „Niemand wagte zu sprechen. Sie spürten den feierlichen Moment mit innerer Freude.“ Isabel ging weiter, und zwar tatsächlich ins Kloster. Dort verteilte sie das inzwischen wieder vorhandene Brot unter den Hungernden.

Auch wenn sich in den vergangenen Jahren Historiker um die Zuordnung der Rosenlegende streiten: In Portugal ist Rainha Santa Isabel Beispiel für Altruismus und Hilfsbereitschaft – und das ist eine Feier wert, an der sich die Algarve-Gemeinde Alvor traditionell mit Musik und Tanz, Kulinarischem und einer Prozession beteiligt (die größte Prozession findet in Coimbra statt, in jeden geraden Jahr – also auch 2010. Sie gilt als eine der ansehnlichsten im Land).
Der österreichische Kulturhistoriker Leopold Kretzenbacher sieht in der Geschichte um Portugals heilige Königin Sozialkritik und Anerkennung für mittelalterliche Frauenpower: Isabel habe sich dem traditionellen Willen ihres Mannes widersetzt und stehe durch ihre frühe Aktion Brot für die Welt moralisch auf einem höheren Niveau.


Festa da Rainha Santa Isabel:
2., 3. u. 4.7. in Alvor, Jardim do Centro de Saúde, ab ca. 16 Uhr
1. - 3.7. in Coimbra mit Ausstellungen, Konzerten, Regatten u.v.m. auch in den folgenden Tagen in der gesamten Stadt
Festas da Santa Rita:

3.-4. Juli Vila Nova de Cacela
Festa do Santo Estêvão:
Tavira, 17.7., 21 Uhr
Festa do Teatro de Rua:
Tavira, 1.-15. Juli
Festival dos Pescadores:
letztes Juliwochenende in Aljezur
Vorankündigung:
7. - 15.8.: Mittelalter-Markt
historisches Zentrum Silves
16. u. 17.8.: Festival da Nossa Senhora da Graça in Sagres

Text: Henrietta Bilawer

Foto: LUSA

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Musik
Polyhymnia
0710bedulce.jpgDulce Pontes, eine der Ikonen moderner wie auch traditioneller portugiesischer Musik, steht seit zwanzig Jahren auf den Bühnen ihrer Heimat und vieler anderer Länder – als Solistin oder mit anderen Künstlern. Nun porträtiert eine CD musikalische Momente aus zwei Dekaden

Lusitana Paixão, lusitanische Leidenschaft, hieß das Lied, mit dem Dulce Pontes 1991 die portugiesische Vorentscheidung für den 36. Eurovision Song Contest in Rom gewann. Dort erreichte sie Platz Acht, in Portugal belegt sie spätestens seitdem einen Spitzenplatz in der heimischen Musik-Landschaft und die folgenden zwanzig Jahre Bühnenpräsenz führten sie zu renommierten Bühnen und Konzerthäusern nicht nur in Europa. Das Jubiläum lässt sich nicht mit einem bestimmten Datum verbinden, doch fasste die Künstlerin nun ihre Musik aus zwei Dekaden auf einer Doppel-CD mit dem emblematischen Titel Momentos zusammen. (...)

Die Aufnahmen sind eine Hingabe an heimische Klänge (auf der ersten der beiden CDs) und Hinwendung zum Internationalen. Von Konzerten und früheren CDs bekannte Fados erscheinen in neuem Arrangement mit veränderter Instrumental-Begleitung und dürfen so als Neuentdeckung gelten. Die Texte sind gefühlvoll, oft dem Meer zugewandt, sehr poetisch, die Metaphern klingen  einerseits schön und erzählen andererseits dem Kenner der portu­giesischen Historie mehr als nur eine mu­sikalische Geschichte.
(...)


Hörproben gibt es auf www.dulcepontes.net

Dulce Pontes: Momentos
Doppel-CD u. Booklet mit allen Texten; Galileo Music Communication,
ASIN: B003BKF5NS. ca. € 20

Text: Henrietta Bilawer
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Abkühlung
Achtung Hitze!

0710behitze.jpgAuch wenn die sommerlichen Temperaturen gut tun, sollte man nicht sorglos sein. Das gilt vor allem für ältere Menschen und Kleinkinder. Hier die wichtigsten Tipps für heiße Tage

Endlich Sommer und damit Strand und Sonne. Die Sonne hat einen positiven Einfluss auf unseren Gemütszustand und ist für manche Körperfunktionen, wie die Aufnahme von Vitamin D, unentbehr­lich. Doch die unangenehmen Folgen einer Überdosis Sonne sollten nicht unterschätzt werden. Tatsächlich belasten hohe Außentemperaturen den Körper erheblich. Gera­de für kleine Kinder, Senioren sowie Personen mit Durchblutungsbeschwerden, Über- gewichtige und Menschen, die keine Hitze gewohnt sind, können hohe Temperaturen ein Gesundheitsrisiko darstellen. (...)

Um die Sonne unbeschwerrt genießen zu können, rät die portugiesische Gesundheitsbehörde DGS ein paar einfache Tipps zu befolgen:

Notfallplan, wenn die Hitze Schaden angerichtet hat:
Bei Schwindel, Schwächegefühl, Übel­keit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Krämpfen (Arme, Beine, Unterleib), sehr roter oder sehr blasser Haut besteht die Ge­fahr von Hitzeschlag, Hitzeerschöpfung, Hitzekrämpfen, Hitzekollaps oder Sonnenstich.
Sofort Notruf (112) oder Linha Saúde 24 (808 24 24 24) wählen!
Dann sollte der Patient in den Schatten gebracht und seine Beine hoch gelagert  werden. Kleidung möglichst lo­ckern oder öffnen. Den Patienten kühlen (feuchte Umschläge auf Kopf, Achseln und Leisten geben) und zu trinken geben (Mineralwasser). In keinem Fall sollte der Person Parace­tamol oder ein Aspirin verabreicht werden.

Zur Sicherheit sollte im Handy unter „ECE“ (Em Caso de Emergência) die Rufnummer der im Notfall zu kontaktie­renden Person gespeichert sein (ECE – Name der Person).

Auch hohe Ozonwerte können den Körper belasten. Die aktuellen Ozonwerte sowie Prognosen für die nächsten Tage sind unter http://www.meteo.pt/pt/ambiente/uv/ index.jsp abrufbar

Auch für diesen Sommer hat die regionale Gesundheitsbehörde ARS einen Kontingenzplan für Hitzewellen ausgearbeitet, der bis zum 15.9. in Kraft ist. Täglich wird die ARS die Krankenhäuser, Centros de Saúde, den Zivilschutz, die Feuerwehr und die Institu­tionen, die für Risikogruppen zuständig sind (Seniorenheime und Kindergärten), über die für den nächsten Tag vorgesehene Alarmstufe informieren, damit diese die richtigen Vorkehrungen treffen, um im Notfall rasche Hilfe geben zu können. Zudem wird die gesamte Bevölkerung über die zu treffenden Maßnahmen informiert, um die Hitzefolgen zu mini­mieren.


Text: Anabela Gaspar; Foto: LUSA

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