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Meldungen 07/10
Aktuell
Staatsoberhaupt
0710meaktuell.jpgIn Portugal steht die Wahl zum Staatspräsidenten erst 2011 an, doch das Werben der Kandidaten ist eröffnet. Die Amtszeit von Aníbal Cavaco Silva endet im kommenden März. Er ist der erste Präsident Portugals nach der Nelkenrevolution, der aus dem konservativen politischen Lager kommt.
Der bisher einzige Kandidat der Linken ist Manuel Alegre, ein Dichter und Politiker der sozialistischen Partei PS, der bereits 2006 ins Rennen um die Präsidentschaft ging und mit 20,72 % als Zweitplat­zierter scheiterte. Beide Kandidaten repräsentieren nicht die junge Generation: Cavaco Silva ist 71 Jahre alt, Alegre 74. PS-Chef José Sócrates wollte mit einer Stellungnah­me zu Alegres Kandidatur Gespräche mit innerpartei­li­chen Kritikern abwar­ten, doch Alegre, der sich als linker, aber überparteilicher Kandidat sieht, will noch im Sommer mit der Stimmenwerbung beginnen und fordert Cavaco Silva auf klarzustellen, ob er eine weitere Amtszeit anstrebt.
Die PS-Mehrheit und zahl­reiche Vertreter des Linksblocks BE unterstützen Alegre. In der Bevölkerung besitzt er als Dichter große Popularität, als Politiker bisher wenig Rück­halt, doch ihm komme zu Gute, dass „Cavaco Silva bei Heimspielen Punkte einbüßt und bei Auswärtsspielen kei­nen Ausgleich schafft“, so der Journalist Domingos Amaral. Als weiterer Kandidat steht Fernando Nobre fest. Der 59-jährige Arzt und Präsident der humanitären Hilfsorganisation Assistência Médica Internacional (www.ami.pt) steht für eine gemäßigt sozialdemo­kra­tische Linie.

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Neues Leben für Kork
Die Lissabonner Initiative Pro­mocork (www.promocork.com) hat das Epilepsiezentrum Dia­konie Kork (www.diakonie-kork.de) ausgezeichnet. Die evangelische Therapie-Einrichtung hat sich mit einem sozia­len und zugleich ökologischen Projekt um die Sammlung und Wie­der­verwertung von Kork verdient gemacht. Die Diakonie Kork steht auf Platz Eins der Korksammel- und Recycling-Stellen in Europa: Seit 1991 sammelte die Diakonie Kork 6.400 Tonnen des Naturmaterials. Der Name bezieht sich zwar nicht auf den Rohstoff, sondern auf den Ortsnamen des Sitzes im süddeutschen Kehl, doch der Na­me wurde zum Programm. Die Einrichtung will einen Beitrag zur Müllvermeidung und -verwertung leisten und gleichzeitig sichere Arbeits­plät­ze für Menschen mit Behinde­rungen schaffen.
Derzeit sam­melt die Dia­konie Kork rund 10 % des Flaschenkorken-Aufkommens in Deutschland. Rang Zwei nimmt die Operation TIRE Bouchon France ein, ebenfalls eine soziale Einrichtung, die sich seit 2001 an der Aktion beteiligt. Auf Platz Drei liegt die Oficina da Terra Crua der deut­schen Architektin und Baubio­login Vera Schmidber­ger, die in Nordportugal alte Bautechniken mit traditionellen Bau­stoffen und -Materialien wie­derbeleben möchte.

d
 Ein Meer an Kosten
Der umstrittene Kauf zweier Untersee-Boote, die unter anderem zu Verwicklungen betei­ligter portugiesischer Entscheidungsträger in den Korruptions­fall um das deutsche Ferrostaal-Konsortium geführt hatte (s. ESA 5/10), wird mit der Lieferung des ersten U-Boo­tes, der Tridente (Dreizack), spätes­tens zum Jahresende vorläufig abgeschlossen. Laut dem 2004 geschlossenen Vertrag kann die portugiesische Marine das submarine Gefährt ein Jahr lang testen, erst dann wird die Zah­lung fällig.
Die Kaufsumme muss daher im Haushalt für das kommende Jahr untergebracht werden. Dabei können keine Auflagen gemacht werden, was schon heute eine erneute Erhöhung des Staatsdefizits im Jahr 2011 oder eine entsprechende Kompensation durch Einsparungen in anderen Etatbereichen abseh­bar macht.
Das zweite U-Boot, die Arpão (Harpune), soll Anfang 2011 geliefert werden, für seine Zahlung ist das Jahr 2012 angesetzt – mit der gleichen Konsequenz für den Staatshaushalt. Die U-Boote kosten in etwa € 1 Mrd., das entspricht rund 0,6 % des portugiesischen Bruttoinlandsproduktes.

d
Land & Leute
Korruptionsfall in Aljezur
0710mealjezur.jpgDer amtierende Bürgermeis­ter von Aljezur, José Amarelinho, wurde wegen mutmaßlicher Korruption be­schuldigt. Weitere Beschul­digte sind der ehemalige Bürgermeister und derzeitige Vorsitzende des Gemeinderates, Manuel Marreiros und die Vermessungstechnikerin des Rathauses, Helena Furnas.
Amarelinho, Marreiros und Furnas sollen sich „freiwillig und bewusst“ illegal in den Bauangelegenheiten hinsichtl­ich der Urbanisation Vale da Telha bei Aljezur verhalten haben, so das Ergebnis der Untersuchungen der Staatsanwaltschaft von Évora. Die Untersuchungen, die wegen der Klage eines Mitglieds der Eigentümer-Kommission von Vale da Telha, Comprova, eingeleitet wurden, dauerten fast sieben Jahre.
Laut dem Bericht der DIAP von Évora hat das Rathaus von Aljezur – unter der Leitung von Marreiros und Amarelinho – in Zusammenarbeit mit Baufirmen und Immobilienmak­lern des Bezirks, den Bau von Häusern in Vale da Telha unrechtmäßig verhindert mit dem Ziel der Bauspekulation. Dies führte zu hohen Verlusten für nationale und ausländische Grundstückeigentümer, die an­gesichts der Nicht-Erteilung einer Baulizenz ihre Grundstücke zu einem geringeren Preis verkauften mussten als dem gültigen Marktpreis. Ei­ni­ge dieser Grundstücke wurden kurz darauf von Investo­ren, die Ver­bindungen zu den Beschul­digten hatten, erworben mit der Besonderheit, dass die Baulizenzen garan­tiert werden. Die Anklage ermöglicht nun, dass die getäuschten Grundstückseigentümer eine Entschädigung for­dern können.
Marreiros war von 1990 bis 2009 Bürgermeister von Alje­zur (s. ESA 6/10). Amarelinho, seit Oktober 2009 im Bürgermeisteramt, war seit 2002 Stellvertreter im Rathaus. Sollten die zurzeit im Parlament zur Diskussion vorlie­gen­den Anti-Korruptionsbestimmun­gen verabschiedet wer­den, müs­sen beide vom Amt zu­rücktreten und mit einer Anklage rechnen, die mit einer Gefängnisstrafe von bis zu 8 Jah­­ren geahndet werden kann. 
d
Phase Charlie
0710mecharlie.jpgMit dem 1.7. beginnt die Phase „Charlie“ des Plans zur Vorbeugung und Bekämpfung von Waldbränden des regio­nalen Zivilschutzes. Sollten sich die Wetterbedingungen der Jah­re 2003 und 2004 wiederholen, befürchten die Behörden, dass es in diesem Sommer erneut zu verheerenden Waldbränden kommen könnte. Die durch den regenreichen Winter üppige wachs­en­den Pflanzen werden bei trockenem Wetter als Zündschnur dienen, so der Kommandant des Zivil­schutzes.
Außer einer Verstärkung der Überwachungs- und Bekämpfungsmittel setzt der Plan des Zivilschutzes vor allem auf Vorbeugung und Sensibilisierung der Bevölkerung. Während der Phase „Charlie“, die bis zum 30.9. läuft, sind 94 Teams mit 506 Mann, 129 Fahrzeugen und drei Hubschrau­bern (Loulé, Cachopo und Monchique) einsatzbereit. In der Phase „Delta“, die bis Ende Oktober läuft, sind es 56 Teams mit 366 Einsatz­kräften, 93 Fahrzeugen und ei­nem Hubschrauber in Loulé. Brandrodungen zur Säube­rung von Grundstücken sollten ab die­sem Monat nicht durch­geführt werden, warnt der Zivilschutz.
d
Golf für den guten Zweck
Das Tierheim São Francisco de Assis in Loulé erstickt fast in einer Flut von ausgesetzten Hunden und Katzen. Die Associação dos Amigos dos Animais Abandonados (A.A.A.A.; Verein der Freunde verlassener Tiere), die für das Tierheim zu­ständig ist, organisiert deshalb am 24.7. ein Benefiz-Golftur­nier auf den Plätzen von San Lorenzo, in Quinta do Lago, um Spenden zu sammeln.
Lilo Kranendonk, Leiterin des Tierheims, versorgt kranke, miss­­handelte und ausgesetzte Hun­de und Katzen und bereitet sie auf ein neues Heim vor. Das kostet Geld, doch die weltweite Wirtschaftskrise, die auch in der Algarve spürbar ist, führte dazu, dass dringend benötigte Spen­den und neue Herrchen immer seltener werden. Zu den Schwie­rigkeiten, mit denen das Tierheim kämpfen muss, zählen offene Futterrechnungen. Obwohl der Tierschutzverein Frank­furt bereits einen beträchtlichen Teil aus 2009 übernahm, stehen noch € 9.100 offen. Selbst der kleinste Betrag hilft und kann direkt bei den Lieferanten bezahlt werden.
Näheres: Golf-Club San Lo­renzo (Tel. 289 396 522) oder Tierheim (Tel. 289 416 862 u. Mob. 919 765 600)
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 Kunst & Kultur
Heavy-Rock aus Deutschland

0710mekuku.jpgBei dem diesjährigen internationalen Motorradtreffen in Faro wird die deut­sche Modern Heavy Rock Band Contracrash auftreten (15.7., 22 h). Seit 2004 gibt die Band aus Balingen Vollgas und ist da­bei, sich ganz nach oben zu rocken. Das Debütalbum „Goddamm Planet“ enthält 12 Songs, die den Spirit von Contracrash in seiner ganzen Bandbreite wie­dergibt. Die Verschmelzung aus harten Rock/Metal-Songs, Balladen, funkigen Passagen und Groo­ve Parts wird jedem gefallen, der auf erfrischende und le­bendige Rockmusik steht. Beim deutschen Rock- und Pop-Preis Ende 2009 erhielten sie mit diesem Album den ersten Platz in der Kategorie Hard & Heavy. Die Balinger Vier denken mit ihrem Engagement auch über den musikalischen Tellerrand hinaus. 2005 initiierte die Band in Eigenregie die Konzertreihe „Rock hilft“ für die Tsunami-Opfer. 14.000 Euro konnten nach Südost­asien überwiesen werden. Das­­selbe wiederholten sie 2006 für die Erdbebenopfer in Pakistan. Weitere Info unter www.contracrash.com oder www.myspace.com/contracrash

d
Sport
Überraschendes Urteil

0710mesport.jpgDie 16 Angeklagten des im Jahr 2004 aufgedeckten Korruptionsskandals „Apito Dou­rado“ (Goldene Pfeife, s. ESA 1/05) wurden alle frei gespro­chen. Nach über sechs Jahren, seit den Festnahmen in den Füh­rungsetagen der portugiesischen Fuß­ballwelt durch die Kripo, befand das Gericht nun, dass die Beweise nicht „ausreichend“ seien.
Zu den Hauptangeklagten zählten FC Porto-Präsident Pinto da Costa, die Schieds­richter Augusto Duarte und Jacinto Paixão, sowie der ers­te Sek­retär und der Sprecher des Schiedsrichterbundes von Évora, José Carlos Chilrito und Manuel António Qua­dra­do. Ihnen wurde u.a. Be­ste­chung und illegale Einfluss­nahme vorgeworfen.

d
 Gesundheit
 Erste Hilfe
Im Juli und im August werden die Krankenpfleger der Kinderstation des Krankenhau­ses von Faro einen Erste Hilfe-Kurs für Eltern von bis
8-Jährigen anbieten.

Der Entschluss wurde zum Weltkindertag und angesichts der hohen Todesrate bei Badeunfällen mit Kindern getroffen. Allein im vergangenen Jahr ertranken 17 Kinder und Jugend­liche in Pools. Der Kurs ist eine Zusammen­arbeit mit der Krankenpfleger-Kammer des Südens, die für die Logistik zuständig ist. Die Anmeldungen müssen unter Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können erfolgen. Die Kurse dauern jeweils einen Samstag (9 h - 17 h).
Bei einem Badeunfall muss sofort der Notdienst INEM (Tel. 289 870 480) benach­richtig werden (auch über die lokale Feuerwehr). Wer jedoch über Erste Hilfe-Kenntnisse verfügt, kann mit der Beatmung des Opfers beginnen und somit möglichen Folgeschäden vor­­beugen.
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Wirtschaft & Recht
Systemkritik

Jorge Cadima, Agrarwissen­schaftler an der Technischen Universität Lissabon, ver­urteilt die europäische Finanz­politik im Hinblick auf Portugal. Der Kapitalismus sei an einem Punkt angekommen, an dem „die Arbeiter mit Arbeitslo­sigkeit und die Natio­nalstaaten mit Schäden, Schul­den, toxischen Papieren und Risiken zurückbleiben“. Wer glaube, der Euro sei „ein si­che­rer Ha­fen, in dessen Na­men man die nationale Souveränität opfern müsse, findet die Realität der spekulativen Märkte“. Wer an die Solida­rität der EU-Partner glaube, finde „eine EU-Kommission, die Lohnsenkungen, Renteneinschnitte, die Entlassung von Tausenden von An­ge­stell­ten der öffentlichen Hand, den Abbau der Sozialdienste durchsetzt“.
Cadima erinnert an das Jahr 2005, als der damalige deut­sche Finanzminister Hans Ei­chel mit Duldung aus Brüssel die Schuldengrenze von 3 % des Staatshaushalts vorübergehend suspendierte. Der „Klas­senkampf ist zum Schlachtruf derer geworden, die mit der Krise spekulieren und an ihr verdienen“. Wer den Portu­gie­sen die „EU verkauft hat, der verkaufte die Illusion, dass wir zu einem kleinen Deutschland würden. Tatsächlich werden wir zu einem zweiten Argentinien: Statt nationaler Produktion blei­ben uns die Schulden. An­statt Souveränität haben wir die Kontrolleure der EU, die die Aufgaben des nationalen Parlaments übernehmen“.