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Satire 7/10

Geschmeidig wie die Litfaßsäule

Trärääää....!!! Endlich war es wieder so weit. Nach tristen drei Jahren und elf Monaten wurde der Sinn des Lebens angepfiffen. Nicht die Kreismeisterschaft im Auto­wa­schen! Nein! Die Fußball-Weltmeisterschaft, bei einigen auch als Rund­leder-Spartakiade bekannt. 47(!) ungesun­de Mo­nate sind vorbei. Monate, in denen sich der Mann mit Grillen, hemmungsloser Fleischeslust und Bockbierfesten abquälen musste. Und nun endlich ein gesunder Monat.
Sport ist nämlich das Allergesündeste überhaupt. Also Sport, den andere machen. Über den eigenen Sport sagt dagegen Konfusius: Spolt ist Mold. Übersetzt: Sport ist Mord. Andererseits kann KEIN Sport aber auch Selbstmord sein. Darauf weist das letzte Erlebnis des hoch angesehenen Dr. Josef B. hin: Bewegung kann also durchaus nützlich sein. Und wenn man noch die Denkmurmel benutzt, kann Bewegung sogar SEHR nütz­lich sein. Wie? Etwa so: Zwei Freunde wandern barfuß durch die Savanne. Plötzlich taucht ein Löwe auf. Der erste Mann will sofort weglaufen, der zweite setzt sich hin, um sich Turnschuhe anzuziehen.  „Glaubst du, dass du mit Turnschuhen schneller bist als der Löwe?“, fragt der erste. „Was interessiert mich, wie schnell der Löwe ist“, meint der Schuhträger, „Hauptsache ich bin schneller als du!“ Dies zeigt uns auch, wozu Sport in Gemeinschaft gut sein kann.
0710schluss1.jpgNoch schöner als der Sport sind die Brauchtümer drumherum. Da gibt es in Süddeutschland den besten Fußballclub des Universums, der dazu noch mega-bescheiden ist. Fast so bescheiden wie Dieter Bohlen. Immer wenn der Club einen Titel gewinnt, gibts die Weißbierdusche über Kopfhülle und Seppelhose. Der trockene Norddeutsche behauptet allerdings, das sei Frevel. Also die Tatsache, dass sich die Duschflüssigkeit Bier nennt. Alles Neid. Die Dusche ist doch ein schöner Brauch! Und solange nichts in den Mund gerät auch gar nicht gefährlich.
Aber zurück zum Sport.
Sport macht auch reich. Vor allem Ortho­pä­den. Leistungssportler auch: reich an Kno­chenbrüchen und Hämatomen.  
Deshalb mus es gar nicht immer Leistungssport sein. Nicht für uns Amateure. Bisschen Bewegung reicht schon. Zum Bei­spiel Gehen. „Wie?“, werden jetzt viel­leicht einige fragen, „gehen? Mit den eigenen Füßen? Wozu hat mir der Liebe Gott den Gasfuß gegeben?“ Und dann werden sie einwenden: „Außerdem gehe ich doch oft. Jeden Tag geschmeidig wie die Litfaßsäule drei Dutzend mal zum Kühlschrank.“ Gut. Das ist immerhin etwas. Und dann das Über­gewichtigen-Triathlon: Kühlschrank auf­stemmen, Bierflasche rauswuchten, Kron­korken abhebeln. Traurig, dass dieser Triathlon nicht als olympische Disziplin anerkannt ist. Ein anderer Sport ist dagegen allgemein anerkannt und garantiert sogar eine Gewichtsabnahme. Kommt, wie alles Gute, aus Amerika. Das so genannte Head-Shaking. Eine einfache Hin- und Herbewegung des Kopfes, bekannt auch als Kopf-Schütteln. „Immer?“, werden Sie nun viel­leicht fragen. Nein. Nur, wenn der Kellner kommt.
0710schluss2.jpgIch selbst treibe natürlich auch Sport. Einmal Segeln. Wegen meiner abstehenden Ohren. Und  Radfahren. Was der Beamte den ganzen Tag treibt, kann nicht schädlich sein. Allerdings wird ums Radfahren zu viel Brimborium gemacht. Alles Show. Wie beim Giros von Italia. Dieses notorische Buckeln ist vollkommen überflüssig. Die aufrechte Haltung ist das A & O. Hab’ ich selbst erlebt. Bei einer Radtour im Mon­chique. Dort begegnete ich einer Mann­schaft mit sauteuren Rennrädern und hauteng ins Trikot gepellt. Dagegen trägt die Presswurst im Saitling den absoluten Schlabber-Look. Und alle gebückt wie der Chinese bei der Reisernte. Ich dagegen saß auf meinem Billig-Rad kerzengerade wie Graf Koks von der Hardthöhe und war doppelt so schnell wie die Leistungssimulanten. Die Haltung macht’s! Gut, ich fuhr abwärts und sie aufwärts. Aber das alleine kann ja kaum das Geheimnis sein.
Ein Geheimnis ist für mich dagegen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Da spielen lauter Leute, die man aus der Fernsehwerbung kennt. Die drehen einem da Waschmaschinen, Brotaufstrich und Solarzellen an. Aber immerhin spielen sie gut und interessant, die Waschmaschinenver­treter. Noch interessanter wäre aber ein Spieleraustausch. Zum Beispiel könnte Mi­roslav Klose an das kleine, etwas schwächliche Slowenien ausgeliehen werden. Das wäre die Rettung. Jedenfalls für Deutschland. Und Waschmaschinen brau­chen die Slowenesen auch. Trotzdem wird Deutschland ganz vorne mitmischen. Eventuell. Falls der kleine, aber flinke Markus Marin eingesetzt wird. Eigentlich wollten sie ihn nicht mitnehmen,  weil der Mannschaftsbus keinen Kindersitz hat. 
Torschützenkönig wird aber ein anderer. Das wird – das behaupte ich als Fachmann – Toni Polster aus Österreich. Da verwette ich mein Pseudonym! Moment. Wie? Ich höre gerade, die  Donaukicker machen gar nicht mit, die Spielverderber? Saublöd. Nun ist es weg, das Pseudonym.

Jochen Krenz

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