| ESA 9/04 |
| Inferno am Fóia
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Der Autor Rolf Osang lebt in Monchique, kennt
das Brandgebiet und die Internas; er schoss das zu Herzen gehende Foto
und schildert den ergreifenden Schicksalsschlag aus eigener Sicht.
Sonntagmorgen,
24. Juli 2004. Niko, deutsch, 24-jährig, und die gleichaltrige Giselle
aus Lissabon schlafen noch; die vier Töchter – drei Monate alt die
jüngste, zwei Jahre die nächste und vierjährig die Zwillinge –
ebenfalls.
Ein Knistern weckt Niko. Er
hechtet zum Fenster der Küchenrückwand und sieht oben am Steilhang,
keine dreißig Meter mehr entfernt, eine Feuerwalze herunter rollen.
Bäume explodieren, jedes Mal schießen abertausend Glutfetzen durch die
Luft. Schon brennt es auch unterhalb des Hauses im Waldgebiet von
Barranco de São Silvestre am Fóa-Berg bei Monchique. Das Feuer
verbreitet sich rasant.
Giselle sitzt senkrecht im Bett. Ein paar
Sekunden nur. Die Welt sortieren. Sie packt die zwei Jüngsten unter die
Arme, Niko die Zwillinge, und so hasten sie zum Auto auf der anderen
Seite eines Baches bei ihrem Haus. Die Holzbrücke hat bereits Feuer
gefangen. Rein ins Auto. Niko rennt zurück, will die Katzen noch
mitnehmen, findet aber nur eine von dreien. "Fahr los!", brüllt er zu
Giselle. Denn beidseits des holprigen und extrem steilen Weges biegen
sich lodernde Bäume im sturmhaften Nordwind.
Niko eilt zurück, wirft die Gasflaschen in den Wassertank,
will mit einem Schlauch und mickrig fließendem Wasser gegen das Feuer
ankämpfen. Zwecklos, völlig zwecklos. Ein paar Bombeiros schreiten
durchs verbrannte Dickicht, aber auch sie können nicht helfen.
Plötzlich zerspringt das Rückfenster der Küche in der Hitze. Binnen
Sekunden steht das ganze alte, wunderbar restaurierte Steinhaus mit
seiner großen Wohnküche, zwei Schlafzimmern und Bad in Flammen. Nikos
Mutter Ilo hat sich diesen Traum in über zwanzig Jahren Arbeit
verwirklicht. Ilos Traum liegt in Asche. Niko schaut suchend nach oben
zur Straße, sieht Giselle, die ihm zuwinkt. "Haut ab! Haut ab!",
schreit er immer wieder. Mit Blick auf sein brennendes Heim, auf das
Haus seiner Mutter Ilo, stolpert er rückwärts den Weg zur Straße hinauf.
Schon vier Mal hatte es in den Tagen davor in dieser Gegend gebrannt,
aber weder Polizei noch Feuerwehr hatten das richtig ernst genommen.
Hätte doch nur ein einziger Mann Wache gestanden...
Drei Tage später treffe ich Giselle und Niko und die Mädchen bei Oma
Ilo. Jeder in Monchique kennt und bewundert diese Frau, die Deutsche.
Zäh ist sie, eine Kämpferin. Fünf Kinder hat sie durchgebracht, und
jetzt die vier Enkel. Alle leben sie nun in Ilos Zweizimmerwohnung
mitten im Städtchen.
Vier Tage nach dem Inferno
fuhr ich mit der jungen Familie zum Ort des Geschehens. Bilder des
Schreckens sah ich. In diesem Moment erwachte bei den Eltern der
unumstößliche Wunsch, das verlorene Paradies wieder aufzubauen. Niko
ist Koch in Monte Clérigo an der Costa Vicentina, verdient keine fünf
Euro die Stunde. An einen Wiederaufbau ist unter solchen Umständen
nicht zu denken.
Ich berichtete ESA-Chefredakteurin Gaby Wagner von
diesem Erlebnis. Als Schirmherrin der "Aktion Lichtblicke" stellte sie
spontan als Soforthilfe 1.000 Euro für Babynahrung und alles, was für
Kleinkinder nötig ist, zur Verfügung. Am gleichen Tag trafen im Haus
von Ilo zwei Säcke mit Kinderkleidung ein. Eine Unterkunft für die
junge Familie stellte in den Tagen darauf das Sozialamt zur Verfügung.
Hoffentlich wird der Concelho Monchique beim Wiederaufbau helfen und
vielleicht werden ESA-Leser mit einer Geldspende beistehen.
Übrigens fand Niko die beiden vermissten Katzen wenige Tage später. Auf ihn wartend saßen sie in der Ruine.
Text und Fotos: Rolf Osang
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| ESA 4/04 |
| "Aktion Lichtblicke"
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Ausgerechnet an einem
regenreichen Wochenende im März wurden die letzten Hilfsgüter für die
Feuergeschädigten in der Serra de Monchique ausgeladen. Die in Deutschland gesammelte Kleidung, Schuhe, Spielsachen und Haushaltswaren aller
Art wurden von der Internationalen Spedition B & P (Zentrale
München, Zweigstellen in Berlin und Algarve) kostenlos in den Süden
Portugals transportiert.
Die von "Entdecken Sie Algarve" ins Leben gerufene Sammel-Aktion, in
Zusammenarbeit mit Rolf Osang von der Galeria Porca Preta, fand
große Unterstützung bei den ESA-Lesern.
Wir sagen hiermit nochmals ein herzliches Danke an alle Beteiligten.
Auch ESA-Chefredakteurin und Schirmherrin der "Aktion Lichtblicke" Gaby Wagner (li.) mit Kollegin Dagmar Stier packten mit an
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| ESA 1/04 |
| Pralle Pakete für die Ärmsten
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Wortwörtlich kann ich das
Telefongespräch nicht wiedergeben, das ich mit einem gewissen Bodo aus
Odemira führte. Jedenfalls rief er an, um mitzuteilen, dass er die in
der ESA veröffentlichte Hilfsaktion der Galeria Porca Preta – nämlich
Weihnachtspakete zu verteilen – super findet.
Am
nächsten Tag stand Bodo auf der Matte, obwohl es in Strömen goss. Mit
einem Jeep und einem Anhänger voller Pakete. 40 Stück. Vierzig! Und
jedes mit genau jenen Sachen prallvoll bepackt, die wir vorgeschlagen
hatten.
Bodo und die Porca-Preta-Mitarbeiterin Silvia verteilten in der Gegend
nördlich vom Foia-Berg, also von Peso bis Ribeira Grande, diese Pakete.
Und in den Tagen vor Weihnachten wurden auch in den restlichen "Feuer-Gegenden" der Serra all die Pakete ausgeliefert, die inzwischen
von ESA-Lesern herbei geschafft worden waren.
Schon am 16. Dezember konnten wir es kaum fassen – Paket Nummer 200 kam an die Reihe! Das übertraf alle Erwartungen.
Man muss es sich vor Augen halten: Der Inhalt jeden Paketes von einem
hilfsbereiten ESA-Leser eingekauft, gepackt, und ab in die Serra oder
in die ESA-Redaktion nach Lagoa gebracht.
Die hilfsbereiten Porca-Preta-Mitarbeiterinnen Silvia, Antonieta und
Maria Jesus verbrachten Tage damit, die Pakete auszuliefern. Die
Freude, die bei den Beschenkungen ausgelöst wurde, ist schlicht und
einfach ergreifend und schwer zu beschreiben.
Die Erfahrungen, die sie dabei sammelten, fassten sie in diese Worte: "Da flossen Tränen ob des unerwarteten Glücks, Tränen aber auch, die
zeigen, in welchem Unglück diese Menschen leben... Immer waren sie arm
gewesen, aber so schlecht bestellt wie jetzt nach dem großen Feuer war
es seit Generationen um keinen."
Gott
vergelts. Ich kann allen Lesern der ESA, die dem Aufruf folgten aktiv
zu helfen und "Weihnachts-Fresspakete" zu packen, nur eines aus
vollem Herzen sagen: Danke. Das gilt auch den vielen Menschen,
die uns in den Wochen nach dem Inferno mit Kleidungsstücken und
Bettzeug, Küchengeräten in riesigen Mengen zur Porca Preta und zur
ESA-Redaktion gebracht hatten. Es kostete viel Mühe, alles bei den vom
Feuer Betroffenen unterzubringen, weil ihre Häuser oft völlig
abgelegen in tiefen Taleinschnitten liegen – aber fast alles ist jetzt
dort, wo es sein soll. Wärmt Leute, bringt Freude in einen Alltag, der
so sorgenvoll wie selten ist. Nochmals: Danke.
Rolf Osang
Antonieta und Maria Jesus verteilen die Pakete an Brand-Opfer |
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