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26.08.09 13.05 h
Palmensterben geht weiter
Über ein Jahr nachdem der Palmen-Rüssler auch die Algarve erreichte, ist die Plage immer noch nicht unter Kontrolle

Wie die ESA bereits mehrfach berich­te­te, hat der malaiische Palmen-Rüssler (Rhyn­chophorus ferrugineus), der sich seit 2004 in Südspanien und auf den Kanaren ausbrei­­tet, mittlerweile auch die gesamte Algarve befallen. Gebiete, wie Albufeira, Ar­ma­ção de Pêra, Carvoeiro, Ferragudo, Porti­mão, Alvor sowie Lagos sind schwer betroffen. Einer Palme ist kaum mehr zu hel­fen, wenn sie vom Käfer befallen ist. Wenn sie ab­ge­storben ist, wandern die Schäd­lin­ge zum nächsten Exemplar (s. ESA 4/08).

Die Bekämpfung des Käfers war bis­her kaum möglich. Der Schwerpunkt lag auf der frühzeitigen Erkennung. Daher hat die EU-Kommission die Entscheidung 2007/365 zum Schutz gegen die Einschleppung und Verbreitung des Palmen-Rüsslers erlassen. Befall oder Befallsverdacht sind nach § 1a der Pflanzen­beschauverordnung „den zuständigen amtlichen Stellen unver­züglich zu melden“. Bei der Einfuhr anfälliger Pflanzen muss die Befallsfreiheit in der zusätzlichen Erklärung be­schei­nigt werden; inner­gemeinschaft­liches Verbringen anfälliger Pflanzen ist nur mit Pflanzenpass mög­lich. Die amtli­chen Maßnahmen ge­mäß § 6 in den abgegrenzten Gebie­ten um­­fassen mindestens „geeig­nete Maßnahmen zur Vernichtung des Schadorganismus“, und außerdem „eine intensive Über­wachung des Schadorganismus durch geeignete Kontrollen“.
Die regionale Landwirtschaftsbehörde DRAAlg informierte ESA im Mai 2008 über die Melde- und Entsorgungs­pflicht befallener Pflanzen und kün­digte eine Kartierung des Käferbefalls an, um Ausbreitungs­rich­tung und -ges­chwin­digkeit in der Algarve beobachten zu können.
Mehr als ein Jahr später, ist keine sichtbare Besserung der Situation zu beob­ach­ten. Überall in der Algarve be­fin­den sich befallene Pflanzen, um deren Vernichtung sich niemand zu kümmern scheint, obwohl dies der Sicherung des Palmenbestands sowie der Vermeidung weiterer ho­her Entsor­gungskosten dienen würde. ESA ersuchte DRAAlg um Informationen über den Stand der Kar­tierung sowie inwieweit die Behörde den Dringlichkeitsmaßnahmen der EU-Kom­­mis­sion nachkomme und die nötigen Schrit­te gegen die Ausbreitung des Schäd­lings unternehme. Bisher blieb eine Ant­wort aus.

Text: Erika Mastel
 
05.05.08 12.05 h
Palmen-Rüssler

Der malaiische Palmen-Rüssler (Rhynchophorus ferrugineus), der sich seit 2004 in Südspanien und auf den Kanaren ausbreitet, ist mittlerweile auch in allen Bezirken der Algarve vorzufinden.
Die regionale Landwirtschaftsbehörde DRAAlg ist dabei, eine Kartierung des Käferbefalls durchzuführen. Danach werden Besitzer einer befallenen Palme zum Fällen der Pflanze und einer fachmännischen Entsorgung verpflichtet sein. Für Privatpersonen besteht die Möglichkeit einer finanziellen Unterstützung seitens der regionalen Behörde.
Die Bekämpfung des Käfers ist kaum möglich, daher liegt der Schwerpunkt auf der frühzeitigen Erkennung. Die EU-Kommission hat die Entscheidung 2007/365 zum Schutz gegen die Einschleppung und Verbreitung des Palmen-Rüsslers erlassen: Befall oder Befallsverdacht sind nach §1a der Pflanzenbeschauverordnung meldepflichtig; bei der Einfuhr anfälliger Pflanzen muss die Befallsfreiheit in der zusätzlichen Erklärung bescheinigt werden; innergemeinschaftliches Verbringen anfälliger Pflanzen ist nur mit Pflanzenpass möglich. Details der Entscheidung 2007/365/EG sind unter http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/site/de/oj/2007/l_139/l_13920070531de00240027.pdf abrufbar

 

Text: Anabela Gaspar

Palmensterben

Immer häufiger bietet sich in der Algarve der Anblick einer
kanarischen Dattelpalme mit schlaff nach unten hängenden graubraunen Fiederblättern. Wie ein halb zugeklappter Schirm sehen die traurigen Gestalten aus, alle federnde Eleganz der langen Wedel ist dahin

Und es gibt in der Tat keine Hoffnung mehr für die solcherart Zugerichteten. Ursache ist ein rotbrauner Käfer, der eine Vorliebe für Palmenherzen hat: Rhynchophorus ferrugi-neus. Er pflegt seine Eier ins Palmeninnere zu deponieren, und die Larven fressen sich dann genussvoll durch das zarte Palmenmark, bis sie sich, in einen Kokon aus Palmenfasern gewickelt, verpuppen. Wenn die Palme abgestorben ist, wandern die Schädlinge zum nächsten Exemplar.
Einer Palme ist nicht mehr zu helfen, wenn sie vom Käfer befallen ist. Das liegt an ihrem Bauplan: Sie hat nur einen einzigen Haupttrieb, und wenn der zerstört ist, kann kein Seitentrieb die Führung übernehmen, wie das etwa bei einem Baum der Fall ist. Eine Zerstörung des Sprosses ist das Todesurteil für die Palme.
Das Gemeine ist nur, dass man es der Palme nicht ansieht, wenn in ihrem Herzen schon das Unheil wütet. Die Symptome zeigen sich erst, wenn es in der Regel bereits zu spät für Rettungsmaßnahmen ist. Und eine befriedigende präventive Behandlung ist im Moment noch nicht in Sicht. Zwar finden sich im Internet alle mög­lichen Namen chemischer Verbindungen, die als vorbeugende Spritzung empfohlen werden, über die Zuverlässigkeit solcher Maßnahmen bestehen allerdings erhebliche Zweifel. Zumal die korrekte Applikation der Flüssigkeiten, wie sie von den ratgebenden Stellen verlangt wird, schwierig zu bewerkstelligen sein dürfte. Wie schafft es der kleine Gärtner bei einer erwachsenen Dattelpalme, den Schopf und oberen Teil des Stammes so gründlich zu befeuchten, dass das Mittel in sämtliche Ritzen und Winkel und eventuell schon bestehede Fraßgänge eindringen kann? Gar nicht. Er muss professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, und ob die diese Aufgabe wirklich lösen kann, sei dahingestellt. Die Kosten einer solchen Aktion “die nicht einmal Erfolgsgarantie bietet“ dürften deutlich sein.

Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen muss der Gartenbesitzer allerdings auch, wenn es bereits zum traurigen Todesfall gekommen sein sollte. Die Palme ist fachgerecht zu entsorgen, das heißt sie muss gehäckselt und verbrannt werden, um die Vernichtung der Palmenschäd­linge sicherzustellen und ihre weitere Verbreitung zu verhindern.
Zum Thema Vorbeugung sei noch angemerkt, dass die Käfer wohl durch den Geruch des Saftes der Palmen angelockt werden können. In spanischen Internet-Seiten wird deshalb empfohlen, das Abschneiden der Palmblätter, wenn überhaupt, dann in den Wintermonaten Dezember, Januar, Februar durchzuführen, wenn die Aktivi­tät der Insekten generell reduziert ist. Die Schnitt­flä­chen sollte man mit Baumwachs gut verschließen.
Eine marokkanische Arbeit untersuchte den Zusammenhang zwischen der Verbreitung des Käfers und der Art der Bewässerung in der Um­gebung befallener Palmen. Sie kommt zu dem vorläufigen Schluss, dass eine feuchte Umgebung das Überleben der Tiere und damit ihre Ausbreitung begünstigt. Da das Tierlein einen zarten Panzer hat, der in heißem Klima relativ schnell austrocknen kann, ist es auf feuchten Boden angewiesen, in den es sich mit großer Energie hineinzubohren weiß. Die Untersuchungen in dieser Richtung sind zwar noch nicht abge­schlossen, aber man sollte als Eigentümer von eingewachsenen Phönixpalmen vielleicht tatsächlich über den Feuchtigkeitspegel in der Palmenumgebung nachdenken.
Der Käfer ist ein echter "global player". Ursprünglich aus Asien stammend, schaffte er es 1995, von Afrika kommend, in Andalusien ein­zuziehen, tauchte 2004 in Valencia auf und landete 2006 auf den Kanaren. Eine Seitenlinie verirr­te sich leider auch nach Westen, in die Algarve, wo er sichtbar seine Arbeit aufnahm.
Wünschenswert wäre eine systematische Kontrolle und Kartierung des Käferbefalls an zentraler Stelle, um Ausbreitungsrichtung und -geschwindig­keit beobachten zu können.
Der Palmenboom der letzten Jahre bescherte uns palmengesäumte Uferpromenaden, Straßen, Plätze, Gärten. Große Exemplare standen plötzlich wie über Nacht gewachsen und reckten einen zusammengebundenen Schopf in den Himmel, bis sich ihre Wurzel in der neuen Umgebung so fest verankert hatten, dass ihre Blätterfieder dem Wind ausgesetzt werden konnten. Sehr viele die­ser Palmen sind Phönixarten. Eine erschreckende Vorstellung, dass eine Käferarmada diese Pflan­zungen systematisch aufrollen könnte. Eine be­sonders traurige Vorstellung aber auch, dass die Einzelexemplare, die es schon lange in der Algarve gibt und die in vielen Jahren nach und nach aus kleinen Setzlingen heran­gewachsen sind, als Familien- oder Hausbaum, nun auch ge­fährdet sein sollen.

Wer seinen Garten neu anlegt und auf große Palmen nicht verzichten möchte, findet im Handel geprüfte zertifizierte Stücke. Das Ansteckungsrisiko aus einer phönixbestandenen Nachbarschaft bleibt aber dennoch. Bis jetzt hat sich der Gourmetkäfer auf Phönixarten spezialisiert, insbesondere Phönix canariensis und dactylifera. Man könnte bei der Gartengestaltung also auf andere Palmenfamilien ausweichen: die fächerblättrige Washingtonia, die elegante "falsche Ko­kospalme" Arecastrum romanzoffianum, die australische Archontophoenix, die südameri­ka­nische Roystonia regia, die asiatische Hanfpalme Trachycarpus fortunei. Wer sich auf Bodenständiges, im wahrsten Sinne des Wortes, besinnen möchte, der wende sich der einheimischen Zwergpalme Chamaerops humilis zu, die zwar keine beeindruckenden Repräsentationsgrößen mit Fernwirkung erreicht, dafür aber in der Lage ist, unter ärmsten Bodenverhältnissen zu existieren. Vielleicht ist sie dem Käfer deshalb zu zäh. Garantien gibt es allerdings keine. Es sollen vereinzelt Rhynchophorusexemplare auch in Was­hingtonias gesichtet worden sein, und man sagt den gefräßigen Käfern nach, dass sie sogar Aga­ven und Zuckerrohr nicht verschmähen. Wer weiß, wie sich ihr Geschmack noch entwickelt.

Text: Marie Giering

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Wünschenswert

wäre eine
systematische
Kontrolle und Kartierung des
Käferbefalls an
zentraler Stelle, um Ausbreitungsrichtung und -geschwindigkeit beobachten zu
können