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Berichte
06/10
Steuerpolitik
Beisteuern zum Budget
Portugal trug mit 2,8 Milliarden Euro zur Griechenland-Hilfe der Europäischen Union bei und steht selbst auf der Liste der Länder, deren negativer Haushaltssaldo die Währungs-Stabilität gefährdet. Der Defizitabbau führt über restriktiven Zugang zu Sozialleistungen, verschärfte Steuer-Gesetze und -Kontrolle, Umverteilung und Vereinheitlichung. Der Staat muss Einnahmen sichern und gleichzeitig die Kaufkraft erhalten, doch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer und Sondersteuern (1,5 % auf die Einkommensteuer IRS und 2,5 % auf hohe Firmengewinne) treten ab Juni in Kraft und sollen bis Ende 2011 gelten. Kritiker meinen, die Regierung habe nichts weiter zustande gebracht, als im Steuertopf einmal umzurühren. ESA nennt Eckpunkte Länder beschäftigt

• Allgemein werden die Steuern entspre­chend der für 2010 angenommenen Inflationsrate von 0,8 % angepasst. Be­zieher von Jahreslöhnen unter € 4.104 sind von der Jahressteuer-Erklärung befreit.
• Die Erledigung der IRS (imposto sobre o rendimento de pessoas singulares; Ein­kommensteuer natürlicher Personen) oh­ne Steuerberater, das sog. regime simplificado, wird bis zu einer Einkommenshöhe von € 150.000 mög­lich. Da­bei entfällt die Unterscheidung zwischen Umsatz und anderen Einkünf­ten. Bisher galten € 99.759,58 Arbeits­einkünfte bzw. € 149.639,37 Umsatz als Grenze für das regime simplificado.


(...)

• Investitionen in Wachstumsbranchen und Industrie-, Entwicklungs- und Wissen­schaftszweige, die vom Institut für Mittelstandsförderung IAPMEI zur Unter­neh­mensgründung (www.iapmei.pt/iap mei-mstplindex.php?msid=12) und vom Wettbewerbs-Förderungsprogramm COMPETE (www.pofc.qren.pt) anerkannt sind, können prozentuale Steuerbefrei­ung bedeuten. Kleine und mittlere Betriebe können Vergünstigungen erhalten, wenn sie mehr als ein Viertel ihres Kapitals in den Kapitalmarkt stecken. Die Vergünstigungen sollen auch auf Pensionsfonds erweitert werden.


(...)

Zusammengestellt von
Henrietta Bilawer

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Literatur und Geschichte
Besondere Leute

0610beportugal.jpgZum einhundertjährigen Bestehen der Republik Portugal erinnern Städte in der Algarve an Persönlichkeiten, die hier ihren Beitrag zur Durchsetzung von  Liberalismus und bürgerlicher Demokratie leisteten. Nicht wenige waren neben der Politik auch der Kultur verpflichtet

Spaziergänger in Portimão begegnen dieser Tage gelegentlich ungewöhnlichen Figu­ren. Gewandet in schwarze Anzüge, auf dem Kopf einen Zylinder; ein feiner Spazierstock mit gehämmertem Silberknauf akzentuiert die vornehme Haltung. In der antiquierten Kleidung stecken junge Leute, der weiße Bart ist ihnen mit Theaterschminke um das Kinn gemalt. Eine histo­rische Persönlichkeit scheint wiedergeboren und hat sich dabei gleich vervielfacht. Das Original schaut von Plakaten auf seine Heimatstadt: Ma­nuel Teixeira-Gomes ist 1860 hier geboren; von 1923 bis 1925 leitete er Portugals Geschicke als Staatspräsident (s. ESA 12/04).

Portimão zelebriert doppelt: Teixeira Gomes’ 150. Geburtstag und das 100-jährige Bestehen der Republik Portugal. (...)

Text:
Henrietta Bilawer

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Ausstellung
Das Kunstereignis des Jahres
0610bearte.jpgDie Kunstbewegung ARTE ALGARVE wurde Anfang 2009 ins Leben gerufen. Vom 4. bis 6. Juni findet nun die 3. Internationale Kunstmesse gleichen Namens statt

ie Organisatoren sehen den Erfolg der Kunstmesse, der sich im Umzug in das Kongresszentrum do Arade bei Ferragudo spiegelt, in den besonderen Umständen, die in der Algarve vor­herr­schen: Dank des phantastischen Klimas und brillanten Lichtes leben im äußersten Südwesten Europas viele gute Künstler. Und glücklicherweise gibt es hier auch aufgrund des gehobenen Lebensstandards viele Kunstliebhaber – aber paradoxerweise kaum professionelle Kunstgalerien, die diese beiden Seiten der Medaille ver­knüpfen. Deshalb rücken bei ARTE ALGARVE die Künstler selbst in den Mittelpunkt – sie zeigen und verkaufen ihre Werke höchstpersönlich, und nicht, wie bei Kunstmessen üblich, die Galerien. (...)

ARTE ALGARVE findet vom 4. - 6. Juni im Centro de Congressos do Arade bei Lagoa-Parchal (kurz vor Ferragudo) statt. Eintritt 3. Wer den Kunst­messekatalog für € 5 erwirbt, hat freien Eintritt; bei Gruppen ab 4 Personen kostet der Eintritt nur 2,50 pro Person.(...)
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Ausgrabungen
Lissabon mal Drei
0610bejorge.jpgHätte ein Beobachter zwei Jahrtausende auf dem Castelo de São Jorge verbracht, könnte er die wechselvolle, reiche Geschichte der Stadt, ihrer Bewohner und Kulturen erzählen, wie es sie nirgends sonst gab, schrieb der Reisende J.P. Texier vor 200 Jahren in seine dänische Heimat. Ein neues Freilichtmuseum an dieser „privilegierten Adresse“ zeigt Details dieser Geschichte

(...) Eine Dekade lang begaben sich Archäologen im Auftrag der Stadt auf Spurensuche und Rekonstruktion im Untergrund des Castelo. Nun sind die Arbeiten auf der Praça Nova an der Burgmauer abgeschlossen und geben den Blick in die Historie frei. Dass dies möglich wurde, verdankt Lissabon einem Zufall, erzählt die Archäo­login Alexandra Gaspar, verantwortlich für die Ausgrabungen. 1996 sollte in unmittelbarer Nähe des Castelo de São Jorge ein Parkhaus entstehen, um den Verkehrsinfarkt in der historischen Altstadt zu bekämpfen. Bauarbeiter stießen auf Mauerreste und riefen das Amt für Denkmal­schutz IPPAR.
Schnell war klar, dass es sich um einen Jahr­hundertfund handelte. Die Relikte erlaubten die Rekonstruktion von „Lissabon mal Drei“: Da sind Strukturen der Eisenzeit des vorchristlichen 7. Jahrhunderts, dann Spuren des alten, islamischen Lissabon, der Siedlung Al-Uxbuna, wie sie einst in den Mauern des Kastells florierte. Schließlich Mauern der Burg aus dem 11. und 12. Jahrhundert, Überreste des Bischofs-Palastes und des späteren Palácio dos Condes de Santiago.
Nachdem im Núcleo Museológico schon seit 2008 einzelne Fundstücke wie Geschirr, Ampho­ren und Schmuck aus den Ausgrabungen im Bereich der Burg zu sehen sind, ist nun mit der Eröffnung des Núcleo Arqueológico die Ge­schichte begehbar geworden.
(...)

Text und Fotos:
Henrietta Bilawer

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Leidenschaften
G wie Gewinnen

0610bewm.jpgAuf der FIFA-Rangliste der Fußball-Nationen steht Portugal auf Platz Drei. Das werten die Fußballer als Ansporn, auch bei der WM zumindest diesen Rang zu erreichen. Noch weiter zu kommen, wäre besser, doch das Los brachte Portugal in eine der schwersten Vorrunden-Gruppen

Covilhã hat sich herausgeputzt. Die portugiesische Nationalmannschaft hat in der Stadt an den Hängen der Serra da Estrela zum letzten Trainingslager vor dem Start zur Fußball-WM Quartier bezogen. Das Wahr-
zeichen der Stadt, das Standbild von Pêro da Covilhã, ist „blankgebürstet, wie schon seit Jahren nicht“, schmunzelt ein Anwohner und sieht es als gutes Omen: Die Statue ehrt einen Diplomaten und Forscher, 1450 in Covilhã geboren, der von seinem König nach Afrika ge­schickt wurde, um die gloriosen Wege der Entdeckernation zu verlängern.

Carlos Queiroz, der Trainer der Selecção, hat Covilhã ausgesucht, weil das Klima dem südafrikanischen Winter ähnelt und das Team an die Bedingungen an den Spielorten gewöhnt. Und wegen der Ge­birgslage: Johannesburg liegt 1.700 Me­ter hoch und dort findet am 11. Juli das Endspiel statt. Doch der Weg der National-Auswahl bis ins Soccer-City-Stadion ist hart.
(...)

Text:    Henrietta Bilawer, Silvino Jorge
Fotos:  Lusa

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 Arbeitsvermittlung
 Das Gegenteil des Altbekannten

Steigende Arbeitslosigkeit belebt die Konjunktur für private Arbeitsvermittler. Das staatliche Arbeitsamt besaß in Portugal zwar nie ein Vermittlungsmonopol, doch die Nachfrage bei alternativen Job-Agenturen ist so groß wie nie zuvor. Eine boomende Branche mit Lücken

(...) Gonçalo Francisco möchte arbeiten, aber er hat wenig Vertrauen in das staatliche Arbeits­amt Instituto do Emprego e Formação Profissional (IEFP;
s. ESA 11/08 u. 5/10), das ihm zwar Stellen anbot, doch die „sind befristet oder man kriegt einen Hungerlohn oder beides“. Da­mit bestätigt er die Statistik: IEFP-Vermittelte verdienen im Schnitt € 550 und 2009 erhielten 70 Prozent der vom IEFP eingegliederten Arbeitskräfte nur Zeitverträge. Letzteres entspreche den Firmen-Präferenzen und sei deshalb „eine gute Bilanz“, so IEFP-Präsident Francisco Madelino. 20 Prozent der beim IEFP Eingeschriebenen finden nur durch Eigeninitiative einen Job mit selbst ausgehandelten, besseren Gehälter.

Arbeitslose, an Stellenwechsel Interessierte und Firmen wenden sich immer häufiger an private Arbeitsagenturen. Und die sind inzwi­schen selbst eine boomende Branche. Zwischen 2004 und 2008 gab es landesweit etwa fünfhundert Agenturen, inzwischen hat sich die Zahl verdreifacht (D = ca. 5.000). Das Gesetz sieht zwar nur ein Arbeitsamt vor, doch das IEFP war nie mit dem Exklusivrecht auf Vermittlung ausgestattet (in Deutschland fiel das Vermittlungs-Monopol der Bundesanstalt für Arbeit 1994). (...)

Text: Henrietta Bilawer

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